Von Anfang an wurde die Weimarer Republik von Rechtsextremisten, Völkischen und Rassisten angegriffen. So beim sogenannten Kapp-Putsch (13.-17.3.1920). Damals wurde u.a. das Berliner Regierungsviertel besetzt. Benannt ist der Putsch nach dem Generallandwirtschaftsdirektor Wolfgang Kapp (1858-1922). Militärisch geführt wurde er von General Walther von Lüttwitz (1859-1942). Beteiligt waren einer der obersten Steigbügelhalter Adolf Hitlers, General Erich Ludendorff (1865-1937), und Major Waldemar Pabst (1880-1970), der die Federführung bei der Ermordung von Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg durch die Gardekavallerie-Schützendivision am 15.1.1919 gehabt hatte. Beendet wurde der Putsch ziemlich schnell durch einen Generalstreik (ausgerufen von SPD, Gewerkschaften, USPD, Beamtenbund).
Die Putschisten hatten Verbindungen zu dem Industriellen Hugo Stinnes und zum Chef der Heeresleitung, Genraloberst Hans von Seeckt (1866-1936). Gestützt wurden sie vom preußischen Adel, ostelbischen Rittergutsbesitzern, konservativen Politikern, Teilen der Reichswehr und den völkisch-nationalistischen Bewegungen. Ihr militärischer Arm waren die Freikorps, die sich auf Grund der Verkleinerung der Reichswehr nach dem Versailler Vertrag gebildet hatten (Rudolf Walther, taz 13.3.20).
In seinem neuen Buch nimmt sich Klaus Gietinger des Kapp-Putsches an:
Kapp-Putsch. 1920 – Abwehrkämpfe – Rote Ruhrarmee (Schmetterling-Verlag), 328 S., 19,80 Euro.
Er ist, wie immer, nicht zimperlich. Seiner Meinung nach müsste der Putsch „Kapp-Lüttwitz-Pabst-Putsch“ heißen. Es habe sich gezeigt, „dass die Rechten keine Chance haben, wenn von den Linken bis zu den Bürgerlichen alle zusammenhalten“. Wir bemerken die bewusste Aktualisierung. Und: Gietinger könnte Recht haben. Mit guten Gründen lehnt er die Gleichsetzung von rechtsextremer und linksextremer Gewalt auch schon für die Weimarer Republik ab (unter Insidern war das immer bekannt) (Oliver Stenzel, Kontext 14.3.20). Nicht ganz so schlüssig ist er da, wo er den Sozialdemokraten (SPD) und der „Weimarer Koalition“ eine Mitverantwortung „am Aufkommen des Faschismus“ zuschreibt. Das gilt gewiss für Verteidigungsminister Gustav Noske und Innenminister Wolfgang Heine. Aber für die ganze SPD?
Zumindest müssten wir dazu auch noch auf die Entwicklung der KPD schauen (gegründet am 30.12.1918). Das können wir kurz und sehr gut anhand von Hermann Webers Schlager
Von Rosa Luxemburg zu Walter Ulbricht. Wandlungen des deutschen Kommunismus. Hannover (Verlag für Literatur und Zeitgeschehen) 1961 (Sonderdruck der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung), 112 S.