2645: In der Oberlausitz fehlen Frauen.

Es ist ja seit langem kein Geheimnis mehr, dass in Ostdeutschland Frauen fehlen. Gerade im Alter zwischen 25 und 40. Sie werden mit einem unschönen Begriff als „heiratsfähig“ bezeichnet. Sie haben im Durchschnitt die bessere Schulbildung als Männer, und viele von ihnen sind seit Jahren im Westen angesiedelt. Besonders davon betroffen ist der Südost-Zipfel Deutschlands, die Oberlausitz rund um Görlitz. Ich hatte noch zu DDR-Zeiten ein paar mal Gelegenheit, sie kennenzulernen. Diese reizende Gegend ist kein Grund, dort wegzugehen.

Die Abwanderung erfährt ihre zweite Welle. Denn die Schulbildung der Ostdeutschen kann mit der der Westdeutschen locker mithalten. Viele von ihnen wollen einfach raus in die Welt. Christine Keilholz schreibt: „Sie wandern von Zittau nach Leipzig, von Leipzig nach Berlin, von Berlin nach New York. Immer dahin, wo es besser ist als da, wo sie gerade sind. Das ist normal. Es ist ein Zeichen der Zeit.“ (FAS 15.12.19)

Aber es ist für die Gegenden, aus denen man wegzieht, nicht ohne negative Folgen: Ärztemangel, Lehrermangel und – eben – Frauenmangel. Und der hat eine größere Bedeutung als nur das Fehlen von Arbeitskräften und „heiratsfähigen“ Frauen. Er ist in der Regel verbunden mit einer politischen Radikalisierung. In der Oberlausitz gewann die AfD bei den Landtagswahlen im September 30 Prozent und holte fast alle Direktmandate. „In einem Land, in dem sich die Mehrheit der jungen Menschen danach sehnt, zu gehen, fühlt man sich wie ein Verlierer, allein durch die Tatsache, dass man geblieben ist, egal wie gut man es macht.“ (Ivan Krastev)

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