2605: Das deutsche Missverständnis

Nato und EU haben sich – entgegen mancher plausibler Erwartungen – als Projekte des Friedens und der Stabilität erwiesen. Dass es ausgerechnet die USA – unter Trump – sind, die ihrer eigenen europäischen Nachkriegsordnung überdrüssig werden, haben viele nicht erwartet. Die Sicherheitslage in Europa unterscheidet sich substanziell nicht von der im Kalten Krieg. Warum sollte sie? Auch die seinerzeitige Ordnung war schon für den Westen gut. Das 20. Jahrhundert war das amerikanische Jahrhundert.

Dabei haben es die Europäer nicht belassen. Sie haben den Schutz durch die Nato verlängert. „Die Erweiterung von EU und Nato diente vor allem der Erweiterung und Festigung der Grundprinzipien der Demokratie – sicherheitspolitisch ein Geniestreich.“ (Stefan Kornelius, SZ 9./10.11.19) Natürlich sind Linke und Grüne hier anderer Meinung. Die Linken sind gegen die Nato, das waren sie schon als SED. Es ist insofern skandalös, dass ein Mann wie Gregor Gysi, ein klassischer Vertreter der DDR-Nomenklatura, uns im Bundestag belehren will. Und die Grünen sind in der Tradition ihrer Alt-Kommunisten von den K-Gruppen noch nicht so weit.

Die Deutschen unterliegen bei der Beurteilung der außenpolitischen Lage weithin einem Trugschluss. „Wachstum, Export, Wohlstand, innere Stabilität können auf die eigene Rechnung gehen, Abwehr der modernen Bedrohungen nicht.“ „Vor allem die Deutschen lebten zu lange in der Vorstellung, die Welt werde sich schon nach ihrem Einheimischenmodell entwickeln: umgeben von Freunden, aller Sorgen entledigt. Drei Dekaden nach dem Epochenbruch wird schmerzlich bewusst, dass Ordnungsmodelle niemals auf Dauer bestehen. Frieden und Sicherheit lassen sich nicht ersitzen, auch wenn der glückliche Weg der Geschichte dieses Land vom Frontstaat im Kalten Krieg in die Mitte eines friedlichen Europas geführt hat.“

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.