Am 8. November 1939 spricht Adolf Hitler wie jedes Jahr im Münchener Bürgerbräukeller über den Nazi-Putschversuch von 1923. In diesem Jahr verlässt Hitler den Ort früher, weil Deutschland inzwischen Polen überfallen und den Zweiten Weltkrieg begonnen hat. Um 21.07 Uhr verlässt er den Saal. Um 21.20 Uhr explodiert eine Bombe. Ihre Wucht ist enorm, acht Menschen sterben, mehr als 60 werden verletzt. Die NS-Propaganda feiert die „Vorsehung“, die Hitler überleben ließ.
Noch am gleichen Abend wird der Täter, Georg Elser, ein Schreinergeselle aus Königsbronn in Baden-Württemberg, in Konstanz bei dem Versuch festgenommen, die schweizerische Grenze zu passieren. Unter der Folter gesteht er, was die Nazis nicht glauben wollen, dass er allein die Tat geplant, den Sprengstoff beschafft, den Zeitzünder konstruiert und in mehr als 30 Nächten die Säule in dem Wirtshaus ausgehöhlt hat. Ohne Mitwisser, nur dem eigenen Gewissen verpflichtet. Er hatte damit den Beweis geliefert, dass auch „einfache Leute“ etwas gegen die Nazis tun konnten oder hätten tun können.
Gerade deswegen tat sich die Bundesrepublik lange Zeit mit dem Gedenken an Georg Elser sehr schwer. Der Individualist hatte in der Weimarer Republik die KPD gewählt. Ihm gingen die Rechte der Arbeiter und die persönliche Freiheit über alles. Als gläubiger Christ wollte er „größeres Blutvergießen“ durch einen Krieg verhindern. Die Nazis sperrten ihn ins KZ Sachsenhausen. Am 9. April 1945 wurde er im KZ Dachau ermordet. Bundespräsident Frank-walter Steinmeier hält Georg Elser für einen Großen, an den die Erinnerung viel zu lange kleingehalten worden ist. Er sei jemand, „an dem sich das Land immer wieder aufrichten kann“. (Claudia Henzler/Robert Probst, SZ 5.11.19)