2597: „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ 70 Jahre alt

Die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, eine der beiden großen deutschen Tageszeitungen, ist 70 Jahre alt geworden. Dazu ist noch manches zu sagen. Die Jubiläumsbeilage umfasst 32 Seiten. Es sind zahlreiche Grußbotschaften eingegangen.

So schreibt der ehemalige Bundesminister und Erste Bürgermeister Hamburgs, Klaus von Dohnanyi: „Im exponentiell beschleunigten, digitalen Zeitalter zwingt Schreiben zu mehr Sorgfalt. Drucken zu mehr Verantwortung. Ich lese drei Tageszeitungen, weil ich durch diese Filter besser und wahrhaftiger informiert werde.“

Der ehemalige Gründungsintendant des Humboldt-Forums und des British Museums, Neil MacGregor: „Ich lese täglich Zeitung, gerade weil es in der ungenauen und ärgerlichen Wendung der Internetseiten nicht ‚MEINE NACHRICHTEN‘ sind. Im Gegenteil. Eine Zeitung enthält Nachrichten, die von jemand anderem ausgewählt worden sind (aber nicht vom Eigentümer), mit anderen Vorurteilen als meinen und Einsichten, zu denen ich nie gelangen würde. Sie deckt Themen ab, die mich zwanghaft beschäftigen (Brexit), mit Meinungen, die mich zur Verzweiflung bringen. Sie greift Themen auf, von denen ich bis dahin nicht ahnte, dass sie mich interessierten, die sich jedoch als fesselnd erweisen (afrikanische Schweinepest, moderner Tanz in Mali). Sie enthält Seiten, die mich zu Tode langweilen (Gibt es jemanden, den die Psychodramen dieser gequälten Fußballtrainer wirklich interessieren?). Und jeden Tag gibt es neue Entdeckungen, neue Erkenntnisse, neue Ärgernisse. In London lese ich jeden Tag die F.A.Z., teilweise, um mir in Erinnerung zur rufen, wie verschachtelt deutsche Syntax sein kann, aber vor allem, um zu erfahren, was wirklich in der britischen Politik und der britischen Kultur vor sich geht: klarsichtig und einfühlsam – der klärende Blick von anderswo.“ (FAZ 2.11.19)

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