2583: Die SED und die westdeutsche Linke bekämpften Israel.

Jeffrey Herf forscht und lehrt an der Universität von Maryland. Er hat sich auf die Geschichte Europas im 20. Jahrhundert spezialisiert. In seinem neuesten Buch,

Unerklärte Kriege gegen Israel. Die DDR und die westdeutsche Linke 1967-1989. Göttingen (Wallstein) 2019, 560 S., 39 Euro,

arbeitet er heraus, dass die SED und die westdeutsche Linke (zunächst DKP, SDS, in den siebziger Jahren zusätzlich KPD-ML, KDP-AO, KBW) seit dem Sechstagekrieg (Juni 1967) Israel vehement bekämpft haben. Das lief „theoretisch“ nach dem Motto Zionismus = Rassismus und ging bei der SED (in Form der DDR) bis hin zu Waffenverkäufen (seit 1965). Aus der DDR kamen u.a. MIG-Jagdflugzeuge und Kalashnikows. Es kam vor, dass palästinensischen Terrororganisationen Waffen geschenkt wurden. Das Existenzrecht Israels wurde in Frage gestellt. Das schürte bei den palästinensischen Untergrundorganisationen (PLO, PFLP usw.) die Hoffnung, dass Israel militärisch besiegt werden könnte. Dieser Krieg fand sein Ende mit der Wiedervereinigung Deutschlands und dem Zerfall der Sowjetunion.

Herf schreibt: „Die Sowjetunion, die DDR und die westdeutschen linksradikalen Gruppen tragen .. eine schwere Verantwortung im Nahost-Konflikt, weil sie einer Kompromisslösung zwischen Israel und seinen Gegnern im Wege standen.“ Nach der Aufnahme beider deutscher Staaten in die Vereinten Nationen (UN) 1973 setzte die DDR ihre Politik fort. Die SED und ihre westlichen Verbündeten nannten ihren Kampf gegen Israel „antifaschistisch“. Damit setzten sie Israel gleich mit Nazi-Deutschland. Als palästinensische Terroristen im September 1972 bei den Olympischen Spielen in München Israelis ermordeten, feierte Ulrike Meinhof von der RAF das als großartige revolutionäre Tat. Die Flugzeugentführungen nach Entebbe 1976 und nach Mogadischu 1977 wurden propagandistisch von der Linken unterstützt. In Entebbe trennten die deutschen Terroristen die jüdischen von den nicht-Jüdischen Passagieren (Rainer Hermann, FAZ 12.10.19).

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