20 Millionen zahlen die gesetzlichen Kassen jedes Jahr für homöopathische Mittel. Dabei sagt die Wissenschaft, dass Homöopathie über den Placebo-Effekt hinaus keine Wirkung hat. Seit der Neuregelung der Kassenleistungen 2012 gibt es die entsprechende Erstattung. Die Idee dafür war ökonomisch. Der Wettbewerb zwischen den Kassen sollte gestärkt werden. Die Folge war, dass fast alle Kassen die Erstattung homöopathischer Präparate einführten. Der Schaden ist immens, wenn Kassenchefs der Homöopathie einen Glaubwürdigkeitsbonus durch die Erstattung geben.
Fälle wie der Tod eines homöopathisch behandelten Siebenjährigen in Italien 2017 sind zwar selten, aber in HNO-ärztlichen Praxen ist zu sehen, dass Kinder mit einer homöopathischen „Therapie“ vertröstet und somit unnötig verlängertem Schmerz ausgesetzt werden. Es gilt doch das „primum non nocere“. Eine Gesundheitspolitik, die sich wider alle Fakten von einer vermeintlichen Beliebtheit der Homöopathie beeinflussen lässt, trägt zudem eine Mitverantwortung für die Zunahme von Wissenschafts- und Faktenferne in der Bevölkerung und damit zum Beispiel zur „Impfskepsis“. Letztlich wird die Ehrlichkeit und Redlichkeit gegenüber den Patienten preisgegeben (Christian Lübbers, Die Zeit 26.9.19).