Es gibt sie noch, die zuverlässigen Nachrichtenvermittler, auch wenn sie nicht fehlerfrei sind. Dazu zählt, nicht zuletzt, die „Deutsche Presse Agentur“ (dpa). Mit Sitz in Hamburg und dem Newsroom in Berlin. Die Agentur wird 70 Jahre alt. Gegründet wurde sie unter der Ägide der anglo-amerikanischen Nachrichtenprinzipien der Objektivität und der Trennung von Nachricht und Meinung. Seinerzeit neu in Deutschland.
Heute gibt es die klassischen Gatekeeper nicht mehr. Das sagt auch der dpa-Chefredakteur Sven Gösmann, früher Chefredakteur der „Rheinischen Post“: „Aber die ‚Tagesschau‘, der Deutschlandfunk oder wir sind natürlich immer noch gewaltige gesellschaftliche Verstärker, hinter denen sich auch mancher mit trüben Absichten verstecken möchte. Da schmerzt jeder Fehler, da hilft jede aufklärerische Leistung.“
Im dpa-Newsroom (150 m lang) arbeiten allein 370 Mitarbeiter im Schichtbetrieb. Und weltweit hat dpa noch weit mehr feste Mitarbeiter. Das dpa-Angebot ist breit gefächert und teilweise hoch spezialisiert. Im „Basisdienst“ sendet die Nachrichtenagentur jährlich fast 200.000 Meldungen. Die dpa gehört 180 Medien, vor allem Verlagen und Zeitungen. Sie zahlen nach Auflage. Die Abonnenten vertrauen auf die Zuverlässigkeit von dpa. Fehler verbreiten sich wie ein Lauffeuer. Andere nach den gleichen Prinzipien wie dpa weltweit agierende Nachrichtenagenturen sind Reuters (britisch), „Agence France Press“ (afp) und „Associated Press“ (AP) (US-amerikanisch). Von Russland und China und deren Followern kommen demgegenüber Propaganda und Agitation (Daniel Bouhs, taz 17.(18.8.19).
Im Zeitalter der Online-Medien und der Fake-News gehen die Erlöse seriöser Nachrichtenagenturen zurück. Das ist bei dpa auch bei den fremdsprachigen Auslandsdiensten der Fall. Eine große Gefahr. Aber der Verfall der Kenntnisse über gute Nachrichtenarbeit geht heute wesentlich weiter. Gestern habe ich im Fernsehen zum ersten Mal einen Ostdeutschen gesehen und gehört, der meinte: „Die Tagesschau ist heute wie die Aktuelle Kamera.“ Das kann ich als jemand beurteilen, der über einen Vergleich der beiden Fernseh-Nachrichtensendungen 1980 promoviert hat. Es ist der reine Schwachsinn.