Sebastian Herrmann hat in der SZ (13./14.7.19) neue und alte psychologischer Erkenntnisse über die Weltwahrnehmung von uns Menschen zusammengetragen, die an einigen Stellen sehr nachdenklich stimmen. Ich gebe das verkürzt in meiner Sprache wieder:
1. Bedachte Arbeitnehmer wissen, dass ständig von Unternehmensleitungen oder anderen Führungsgremien so getan wird, als sei die Lage angespannt, der Gürtel müsse enger geschnallt und die Anstrengungen verdoppelt werden.
2. Seichte Lebensratgeber-Bände können wir nicht nur verachten, weil sie uns das Grundbedürfnis anzeigen, einen Sinn im Leben zu empfinden.
3. Weltanschauungen, Werte oder Ideologien können uns Sicherheit geben oder suggerieren.
4. Die Spaltung der westlichen Gesellschaften könnte ein Ausdruck einer verbreiteten Sinnkrise sein.
5. In armen Gesellschaften sehen mehr Menschen einen Sinn in ihrem Leben als in reichen.
6. Das hat nichts mit den objektiven Lebensbedingungen zu tun.
7. Menschen konstruieren ein Sinngefühl eher aus schwierigen Lebensumständen und negativen Ereignissen.
8. Religion verleiht dem Leben nicht durch konkrete Inhalte Sinn. Insofern ist es völlig egal, an welche Glaubensvariante ein Mensch gebunden ist. Götter geben Halt, weil sie das Chaos reduzieren.
9. Religiöse Menschen leben in engeren sozialen Gefügen als Atheisten und empfinden deshalb eher Sinn.
10. „Um aber eine Gesellschaft zusammenzuhalten, bräuchte es sinnstiftende Ideen, Visionen und Erzählungen – ökonomische Sicherheit alleine reicht nicht. Es muss Licht ins Chaos dringen, die Dinge brauchen eine Richtung. Und etwas Aufregung wäre auch fein. Das sind natürlich wolkige und ein bisschen wohlstandssatte Forderungen. Aber Sinn würde das schon ergeben.“