2402: Ludwig Börne: politischer Wegweiser für die deutsche Publizistik

Anlässlich der Verleihung des Ludwig-Börne-Preises 2019 an Eva Menasse interviewt Hubert Spiegel (FAZ 25.5.19) den Begründer der Börne-Stiftung, Michael Gotthelf. Der erläutert seine Motive für die Gründung der Stiftung. Er war Journalist bei der FAZ und Banker in New York gewesen. Und er wollte 1993 ein Zeichen setzen gegen den nach der Vereinigung Deutschlands wachsenden Rassismus und Rechtsextremismus insbesondere in Ostdeutschland. Seine Helfer waren der damalige Frankfurter Oberbürgermeister Andreas von Schöler und der Publizist Marcel Reich-Ranicki (1920-2013), der seit Jahrzehnten dominierende Literaturkritiker Deutschlands.

Im Zentrum stand der noch unmittelbar aus dem Frankfurter Ghetto stammende Ludwig Börne (Juda Löb Baruch) (1786-1837), der erste große deutsche Journalist. Er wurde in die Emigration gezwungen und starb im Pariser Exil. Mit Heinrich Heine (1797-1856) war er lange Zeit eng verbunden. Tatsächlich verkörperten die Beiden völlig verschiedene Seiten der deutschen demokratischen Publizistik. Auf der einen Seite der Schöngeist Heinrich Heine, der 1840, drei Jahre nach Börnes Tod, seine Kampfschrift „Ludwig Börne. Eine Denkschrift“ erscheinen ließ, eine Abrechnung mit Börne. Auf der anderen Seite der realpolitische Kämpfer für Demokratie und Freiheit Ludwig Börne, dem der deutsche Journalismus mehr verdankt, als den meisten bewusst ist. Ich war nur einmal mit meiner Frau zur Verleihung in die Paulskirche geladen. 2007, als Henryk M. Broder den Preis bekam. Laudator war Helmut Markwort.

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