Bis vor drei Jahren war Julian Assange der Whistleblower und Kämpfer für die Wahrheit. Mit „Collateral Murder“ (Afghanistan) und „Gitmo Files“ (Guantanamo) machte er aufklärerische Informationen öffentlich. Und er zeigte, dass US-Geheimdienste Freund und Feind abhören. U.a. die Bundesregierung. Aber mehr und mehr ließ Assange journalistische Sorgfalt vermissen und unterschied nicht mehr zwischen politische relevanten Nachrichten und Privatem. Hauptsächlich ging es ihm um sich selbst.
Im US-Wahlkampf 2016 bekämpfte Assange gestützt auf russische Quellen Hillary Clinton. Er gewann Freunde im Lager Donald Trumps. Das könnte ihm jetzt nützen, wo er aus der kolumbianischen Botschaft in London herausgebracht worden ist. Assange findet sich mit Trump und Putin in bester Gesellschaft. Assange ist kein „digitaler Dissident“ (WDR), kein Daniel Ellsberg („Pentagon Papers“) und kein Mark Felt („Deep Throat“). Nicht einmal ein Edward Snowden, der sich allerdings auch in die Arme eines Diktators geflüchtet hat. Assange betrachtet die Dokumente, die ihm zugespielt werden, nicht als Vehikel der Wahrheitsfindung, sondern als Instrumente der politischen und persönlichen Machtausübung (Michael Hanfeld, FAZ 13.4.19).