2339: Peter Grottian: Franziska Giffey sollte ihren Doktortitel ablegen.

Peter Grottian war bis 2007 Professor für Politikwissenschaft an der FU Berlin. Er äußert sich zur Doktorarbeit von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) (SZ 1.4.19). „Die Sache ist ausnahmsweise eindeutig.“ Frau Giffey habe eine höchst anfechtbare Arbeit („Europas Weg zum Bürger“) vorgelegt. Und Hängeparien könnten zermürben. Wir erinnerten uns doch noch an die Fälle

Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU)

und

Annette Schavan (CDU).

„Unvergessen ist die ‚Doktorarbeit‘ von Andreas Scheuer, die er sich buchstäblich am Prager Hauptbahnhof abgeholt hatte. Den Titel erkannte sich der heutige Verkehrsminister 2014 selber ab, bevor es jemand anderes tun konnte, womit er sich die ganz große öffentliche Debatte ersparte.“

„Wenn Giffey klug ist, sollte sie selbst den Rücktritt von ihrem Amt vollziehen und die FU bitten, die Aberkennung ihres Doktorgrads einzuleiten. Sie hätte Haltung gezeigt und ihre politische Karriere vor weiterem Schaden bewahrt. In den Medien wäre der Fall in drei Tagen erledigt.“

Die Mängel von Giffeys Arbeit seien so schwerwiegend, dass sie mutmasslich zur Aberkennung des Doktortitels reichten. Frau Giffey habe vom Handwerk wissenschaftlichen Arbeitens nur einen blassen Schimmer. Sie demonstriere ein oft naives, fehlerhaftes und verantwortungsloses Verhältnis zu ihrem Fach. Als damalige Europabeauftragte von Neukölln habe sie seinerzeit (2010) direkt und indirekt über sich selbst geschrieben. Ähnlich wie vorher Guido Westerwelle (FDP) und Norbert Lammert (CDU). „Giffey .. schreibt nicht über einen Prozess, dessen Teil sie ist, sondern nur über ihre Arbeit. Das geht zu weit.“

Scharf wird die Kritik von Peter Grottian, wo er moniert, dass die Betreuerin der Doktorarbeit Giffey habe helfen müssen. Viele Universitäten „schlampten“ immer noch bei Doktorarbeiten. „Und noch immer hat die Hochschulrektorenkonferenz keinen Überblick darüber, welche Unis ihre Promotionsordnungen überarbeitet haben und welche nicht. … Vor allem muss die Monopolstellung des Erstbetreuers beschnitten werden.“ Mit seiner Erfahrung von 100 Promotionen als Erst- oder Zweitbetreuer sagt Grottian, nach seiner Erfahrung reiche das Spektrum der Betreuung von exzellent bis zu völligem Desinteresse. Die Kartei der „Promotionsleichen“, die auch nach vier bis sechs Jahren nicht zu Potte kämen, sei riesengroß. „Die Universitäten sind gefordert, wollen sie nicht ihre eigene Reputation fahrlässig verspielen.“

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