Thomas Karlaufs Buch
Stauffenberg. Porträt eines Attentäters. Blessing Verlag 2019, 368 S., 24 Euro,
wird viel besprochen (Jens Jessen, Die Zeit 7.3.19, Jürgen Kaube, FAS 10.3.19; Johannes Tuchel, Literarische Welt 16.3.19). Karlauf bemüht sich darum, die Mythen, die sich um Claus Schenck Graf von Stauffenberg ranken (Fabian von Schlabrendorff, Marion Gräfin Dönhoff, Joachim Fest) zu widerlegen. Er sieht Stauffenberg als Verantwortungsethiker, nicht als Gesinnungsethiker (Max Weber) (Thomas Karlauf, FAZ 9.3.19). Julia Encke hat ihn für die FAS (17.3.19) interviewt.
FAS: Ihre Hauptthese ist, dass die Militäropposition „aus Verantwortung handelte und nicht aus Gesinnung“, dass es sich also nicht um einen Opfergang handelte. Wie meinen Sie das?
Karlauf: Wenn man bei dem Soziologen Max Weber nachschlägt, der kategorial zwischen Verantwortungsethik und Gesinnungsethik unterschieden hat, stellt man schnell fest, dass es zwischen diesen beiden Grundhaltungen keine Gemeinsamkeit geben kann. Entweder ist einer Verantwortungsethiker, oder er ist Gesinnungsethiker. Der Verantwortungsethiker sagt, ich trage Verantwortung, ich muss etwas tun, egal, was dabei herauskommt. Der Gesinnungsethiker sagt, ich müsste etwas tun, kann aber nichts tun, da Gott es offenbar anders bestimmt hat, also kann ich nur die „Flamme der reinen Gesinnung“ hochhalten. Stauffenberg ist Verantwortungsethiker, ein Mann, der auf Grund seiner Faktenkenntnis, seines Überblicks und seines strategischen Denkens sieht, dass dieser Krieg nicht zu gewinnen ist. Und der sagt, Hitler hat nicht das Recht, das ganze deutsche Volk mit in den Abgrund zu ziehen. Der Mann muss weg. Dieses nüchterne militärisch-politische Abwägen passt nicht in unser heutiges Bild vom 20. Juli als Fanal sittlicher Empörung.