2304: „Friedrich der Große“ – ein Schwuler

Wer es wissen wollte, wusste es. Friedrich II. von Preußen (1712-1786), genannt „der Große“, war homosexuell. In der Wissenschaft ist das kein Geheimnis. Aber der Mythos des „alten Fritzen“ lässt bis heute noch kein freies Räsonieren darüber zu. Das könnte sich ändern durch

Timothy C.W. Blanning: Friedrich der Große. König von Preußen. München (C.H. Beck) 2019, 718 S.; 34 Euro.

Zeit seines Lebens war Friedrich II. bedacht auf die Emanzipation von seinem Vater, dem bigotten und brutalen „Soldatenkönig“ (Friedrich Wilhelm I., 1688-1740). Friedrichs Militarismus und seine Kriegstreiberei lassen sich so erklären. Dadurch hat er unendliches Leid über Preußen gebracht.

Friedrich entledigte sich nach dem Tod seines Vaters sehr schnell seiner Ehefrau. Der exklusiv männliche Freundeskreis in Sanssouci kultivierte eine teils künstlerisch überhöhte, teils derbe und zotige Homoerotik. Das war keine politische Nebensache. Und was uns heute selbstverständlich ist (LGBTTI), musste damals in der höfischen Kultur der Libertinage, durch große Flexibilität und absichtsvolle Uneindeutigkeit versteckt werden. Friedrich II. legte Wert auf seinen Ruf als Feldherr. Als Bündnispartner war er unzuverlässig. Dass er in der Geschichte als Sieger erscheinen konnte, ist auf drei Faktoren gegründet. 1. die Stärke der eigenen Armee, 2. die mangelhafte Koordination der Gegner, 3. seinen rücksichtslosen Durchhaltewillen.

Er hatte das Glück, zwanzig Jahre vor dem Untergang des eigenen Systems bei Jena und Auerstedt zu sterben (Barabara Stollberg- Rilinger, Die Zeit 7.2.19).

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