Daniel Barenboim ist ein Segen für uns alle. Durch seine Musik, seine Weltkarriere als Pianist, Dirigent und Musikdirektor. Er hat stets zum Teil auch das Leben eines Popstars geführt (u.a. durch seine Ehe mit Jacqueline du Pré). Seit 1992 ist Barenboim (geboren 1942 in Buenos Aires), der auch die israelische, palästinensische und spanische Staatbürgerschaft besitzt, künstlerischer Leiter und Genralmusikdirektor der Staatsoper Unter den Linden. Die ist ja gerade wieder hergestellt worden. Zum Glück für Berlin. Wir haben dort kürzlich mit großem Vergnügen „Don Giovanni“ gehört. Barenboim hat sich gemeinsam mit dem Literaturwissenschaftler Edward Said durch die Gründung des Orchesters des west-östlichen Divans 1999 verdient gemacht.
Nun wird Barenboim von einzelnen Musikern der Staatskapelle Berlin und Mitarbeitern der Staatsoper beschuldigt, sie erniedrigt, gedemütigt, beleidigt und persönlich vorgeführt zu haben. Vom Orchestervorstand und vom Personalrat hätten sie sich nicht genügend geschützt gefühlt. Anscheinend handelt es sich bei den Vorwürfen nicht um Missbrauch, Körperverletzung oder den Zwang zu vertragswidrigem Verhalten. Sondern: Baremboim habe von ihnen zu viel verlangt. Um den Preis der Zerrüttung der physischen und psychischen Gesundheit. Das wirft ein Licht auf die Härte des Musikbetriebs überall.
Barenboim, der anfangs die Vorwürfe wohl als Kampagne gegen seine Vertragsverlängerung über 2022 hinaus, das Jahr seines 80. Geburtstags, behandelt hatte, räumt mittlerweile ein: „Ein dummer Mensch würde jetzt sagen: Ich bin so, wie ich bin. Macht damit, was ihr wollt. Wenn das Orchester oder Sie mich zu dem Punkt bringen, dass ich meine Eigenschaften, meinen Charakter verbessern kann, bin ich nur dankbar.“ (Jan Brachmann, FAZ 23.2.19)