2294: Der „Fall“ Carl Gustav Jung

Noch bevor ich studiert habe, 1968-1972, hatte ich von Carl Gustav Jung (1875-1961) einiges gehört. Er galt seinerzeit wohl als bedeutender Psychoanalytiker. Dann lernte ich durch ein Fernseh-Interview Ludwig Marcuse (1894-1971) kennen. Mit ziemlicher Begeisterung las ich seine Bücher. Darunter:

Mein zwanzigstes Jahrhundert. Auf dem Weg zu einer Autobiographie. Frankfurt am Main/Hamburg 1968.

Darin finden sich auf den Seiten 140 bis 148 Anmerkungen über Carl Gustav Jung, die mich erschreckt haben. In ihnen ist erkennbar, dass Jung ein Nazi war. 1933, nach dem Rücktritt von Ernst Kretschmer als Präsident der Allgemeinen Ärztlichen Gesellschaft für Psychoanalyse wurde der Schweizer Jung Präsident der Internationalen Ärztlichen Gesellschaft für Psychotherapie. Marcuse zitiert Jung mit folgenden Sätzen:

– „Die tatsächlich bestehenden und einsichtigen Leuten schon längst bekannten Verschiedenheiten der germanischen und der jüdischen Psychologie sollen nicht mehr verwischt werden, was der Wissenschaft nur förderlich sein kann. Es gibt in der Psychologie vor allen anderen Wissenschaften eine persönliche Gleichung.“ Jung sprach von einer „semitischen Psychologie“.

– „Freud gründet sich mit fanatischer Einseitigkeit auf die Sexualität, die Begehrlichkeit, das ‚Lustprinzip‘ mit einem Wort.“

– Über „die“ Juden: „Als die physisch Schwächeren müssen sie auf die Lücken in der Rüstung des Gegners zielen.“

– Über das „arisch Unbewusste“: es enthalte „Spannkräfte und schöpferische Keime von noch zu erfüllender Zukunft, die man nicht ohne seelische Gefährdung als Kinderstubenromantik entwerten darf. Die noch jungen germanischen Völker sind durchaus imstande, neue Kulturformen zu schaffen, und diese Zukunft liegt noch im Dunkel des Unbewußten in jedem einzelnen, als energiegeladene Keime, fähig zu gewaltiger Flamme.“

– „Das arische Unbewußte hat ein höheres Potential als das jüdische.“

– „Meines Erachtens ist es ein schwerer Fehler der bisherigen medizinischen Psychologie gewesen, daß sie jüdische Kategorien … unbesehen auf den christlichen Germanen oder Slawen verwandte.“

– Bei Jung kannte Freud „die germanische Seele nicht, so wenig wie alle seine germanischen Nachbeter sie kannten. Hat sie die gewaltige Erscheinung des Nationalsozialismus, auf den eine ganze Welt mit erstaunten Augen blickt, eines Besseren belehrt? Wo war die unerhörte Spannung und Wucht, als es noch keinen Nationalsozialismus gab? Sie lag verborgen in der germanischen Seele, in jenem tiefen Grunde, der alles andere ist als Kehricht-Kübel unerfüllbarer Kinderwünsche und unerledigter Familienressentiments.“

– Was die Angelegenheit so ungeheuerlich macht, ist die Tatsache, dass der gleiche Carl Gustav Jung 1945 in der Zürcher „Weltwoche“ von der deutschen „Kollektivschuld“ sprach. Die Unterscheidung zwischen ehrenwerten und ehrlosen Deutschen sei naiv. Ludwig Marcuse: „Der führende hakenkreuzlerische Psychologe wurde nach 1945 zum Verkünder – der deutschen Kollektiv-Schuld.“

– Der bekannte deutsche Nationalökonom Wilhelm Röpke sagte: „Die Geschichte des Professors Jung ist gewiß ungewöhnlich in ihren ekelhaften Details.“

– Bestätigt werden Ludwig Marcuses Thesen in dem Buch von

Jeffrey M. Masson: Die Abschaffung der Psychotherapie. Ein Plädoyer. München 1991 (1988)

auf den Seiten 125 bis 155.

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