Laut Auskunft der „American Heart Association“ leiden 48 Prozent der Amerikaner an Herz-Kreislauf-Beschwerden. Allerdings nur, wenn wir die Menschen mit hohem Blutdruck dazuzählen. Ansonsten sind es nur neun (9) Prozent. 2017 wurden die Blutdruckgrenzwerte von 140/90 auf 130/80 mm HG gesenkt. Die Zahl der Kranken ist also hausgemacht, präziser
arztgemacht.
Ähnlich die Schlagzeilen zum Übergewicht. Die Grenzwerte für Übergewicht wurden Ende der neunziger Jahre deutlich gesenkt. Das Gesundheitsrisiko steigt erst bei massiver Fettleibigkeit. Die Liste lässt sich fortsetzen:
– Blutzucker,
– Cholesterin,
– Vitamin D,
– Knochendichte.
Ist die Grenze zur Krankheit nicht niedrig genug, werden Prä-Erkrankungen definiert. Die Therapie kann gar nicht früh genug beginnen.
Tatsächlich werden die Menschen im Durchschnitt gesünder, als sie je waren. Allerdings ist das Gesundheitswesen in vielen Staaten die größte Wirtschaftsbranche. Deswegen wird beim Krankwerden nachgeholfen: Grenzwerte senken, Krankheitsdefinitionen ausweiten, Leiden erfinden, neue Patientenschichten gewinnen. Wir nennen das
Medikalisierung.
Von den ständigen Horrormeldungen geht ein großer Schaden aus. Denn wer glaubt, dass er krank ist oder wird, wird auch eher krank (Werner Bartens, SZ 4.2.19).