2274: Michel Houellebecq ist wirklich ein Rechtspopulist.

Adam Soboczynski führt uns eindrücklich vor, dass Michel Houellebecq tatsächlich ein Rechtspopulist ist (Die Zeit, 17.1.19). Er nennt ihn einen „neurechten Denker“. Aber das finde ich unangebracht, weil es Rechte gibt, die keineswegs populistisch, sondern nur konservativ sind. Ich gebe hier Soboczynskis Argumente mit meinen Worten wieder:

1. Houellebecq bedauert den Rückzug des männlichen Zeitalters.

2. Er beklagt, dass Prostitution in Frankreich unter Strafe steht.

3. Für ihn wird so die europäische Gesellschaft in den Untergang getrieben.

4. Frei seien wir nur, wenn wir uns aus der „Zwangsjacke der Linken“ befreiten.

5. Die Massenmedien bildeten einen linken Mainsteam.

6. Houellebecq spricht frei von jeder Ironie von der „Lügenpresse“.

7. „Ich bin bereit, jeden zu wählen, der sich für den Austritt aus der Europäischen Union und der Nato einsetzt.“

8. Houellebecq will durch den Austritt aus der EU die Souveränität Frankreichs zurück.

9. Er preist die USA dafür, dass sie sich nicht mehr für die Pressefreiheit einsetzen.

10. Er feiert den Brexit.

11. Houellebecq möchte eine Annäherung an Russland.

12. Er begrüßt den wirtschaftspolitischen Protektionismus der Trump-Administration dafür, dass dadurch den US-Arbeitern geholfen werde.

13. Die deutsche Literaturkritik klammert Houellebecqs politische Haltung weitgehend aus.

14. Nach Houellebecq zerbrechen wir Europäer am Individualismus der 68er und leiden unter der Auflösung der Familien.

15. Frauen seien heute zum Rattenrennen um Pöstchen gezwungen.

16. Für Houellebecq ist Gewalt im Zweifel ein legitimes Mittel der Politik.

17. Es gibt bei ihm zwei Möglichkeiten, mit dem Unglück des Freihandels der Körper und Waren umzugehen: a) man kann sich sedieren, b) man kann religiös entrückt werden und sich dann umbringen.

18. „Wo nur noch leere und atomisierte Individuen saufen und am Ende des Monats nicht mehr die Rechnung zahlen können, weist der Gewehrlauf zur Freiheit und zur Wahrheit …“

19. Der Literaturkritiker der „Welt“ feiert Houellebecqs letzten Roman als „Metaphysik der Muschis“.

20. Sein Freund Frédéric Beigbeder: „Es wird unterhaltsam sein, den Bobo-Kritikern in den kommenden Wochen dabei zuzusehen, wie sie versuchen, einen Autor wieder für sich zu vereinnahmen, der sowohl die Ökos als auch die Feministinnen abschießt.“

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