2234: Amos Oz ist tot.

Der große israelische Schriftsteller Amos Oz ist mit 79 Jahren in Jerusalem an Krebs gestorben. Geboren 1939 als Amos Klausner, Kind einer russich-jüdischen Familie, in Jerusalem hat er uns mit seinem autobiografisch gefärbten Roman „Eine Geschichte von Liebe und Finsternis“ (2002) zugleich eine Geschichte der Gründung Israels geliefert. Amos Oz hat sehr viele literarische Preise gewonnen. Unter anderem den Friedenspreis des deutschen Buchhandels 1992. Den Literatur-Nobelpreis konnte er aus dem bekannten politischen Kalkül nicht bekommen. Die schwedischen Sozialdemokraten haben da keinen Israeli vorgesehen.

Oz war Zeit seines Lebens ein israelischer Patriot, der im Sechs-Tage-Krieg 1967 und im Jom-Kippur-Krieg 1973 als Soldat gekämpft hatte. In seinem Auftreten hatte er bis zum Schluss etwas militärisch Straffes, das in Literatenkreisen ganz selten ist. Und er war ein führender Kopf der israelischen Friedensbewegung, der stets auf Ausgleich, etwa mit den Palästinesern, bedacht war. Er hing der Zwei-Staaten-Theorie an. So wie er das gelehrte „Stubenhockertum“ seiner Familie abgelöst sah durch die Gründung Israels und seinen Eintritt in den Kibbuz Hulda 1953, so musste er in den letzten Jahrzehnten erleben, dass das freie und westliche Israel zunehmend verdrängt wurde von einer aggressiven und politisch radikalen Orthodoxie. Insbesondere nach der Zuwanderung von Juden aus der Sowjetunion.

Der Romancier Amos Oz schrieb unzählige politische Essays für den Frieden. U.a. mit seiner Tochter Fania Oz-Salzberger „Juden und Worte“. Er erlebte das „Judentum nach dem Ende des Judentums“. „Nicht jene, die Pogrome anzettelten, nicht die Bösen unter den Völkern, nicht Hitler und auch nicht die Befürworter von Assimilation, Aufklärung oder Zionismus haben die Mauern von Halacha und Überlieferung eingerissen, sondern das Haus ist von innen zerfallen, unter der Last seiner eigenen Widersprüche, dem Gewicht seiner Gesetze, Verordnungen und Verbote.“ 2004 hielt Amos Oz seine Tübinger Poetik-Vorlesung unter den TItel „Wie man Fanatiker kuriert“.

Als Amos Oz 2004 den „Welt“-Literaturpreis erhielt, hielt ihm Joschka Fischer die Laudatio. In seiner Literatur geht Oz stets von sich selber aus. Er schreibt aus Erfahrung und hat so den Rang des israelischen Nationalschriftstellers erworben. Im Kibbuz hatte er gelernt, dass mit dem gelehrten „Stubenhockertum“ kein Staat zu machen war, ja, dass es geradezu eine Gefahr für Israel darstellte. Eine andere und gegenwärtige Gefahr ist die Intransigenz der Orthdoxie in Israel. Dagegen hat Amos Oz an seiner Friedenspolitik festgehalten. Er bleibt für uns eine politisch-moralische Instanz. Er fehlt uns heute schon.

(Andreas Platthaus, FAZ 29.12.18; Lothar Müller, SZ 29./30.12.18; Tilman Krause, Literarische Welt 29.12.18)

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