2227: Heinrich August Winkler 80

Im „Historikerstreit“ 1986 sorgte nicht zuletzt Heinrich August Winkler dafür, dass die revisionistischen Thesen von Ernst Nolte sich in der Wissenschaft nicht durchsetzen konnten. Er bewirkte das mit historiografischer Präzision und Ironie. Heinrich August Winkler ist gerade 80 Jahre alt geworden. Er trat seinerzeit auch linken Thesen entgegen, etwa der, dass die Teilung Deutschlands eine Strafe für Auschwitz sei. Da war er mit Günter Grass nicht einig. Winkler war seit 1962 SPD-Mitglied. Er wandte sich gegen Oskar Lafontaines „Instrumentalisierung der Geschichte für tagespolitische Zwecke“.

Die größte wissenschaftliche Leistung des 1944 mit seiner Mutter aus Ostpreußen geflohenen Winkler war seine „Geschichte des Westens“. Ihn begreift der Historiker als normatives Projekt, zu dem zum Besten der Deutschen auch die Bundesrepublik endgültig gefunden hat. Winkler lehrte zwanzig Jahre Geschichte an der Universität Freiburg. Mit der Vereinigung Deutschlands ging er an die Berliner Humboldt-Universität und setzte dort gegen die DDR-Historiografie moderne professionelle Standards durch.

Heinrich August Winkler besticht in den wissenschaftlichen Diskursen durch Ruhe und Vernunft. Er mischt sich immer wieder ein und bezieht dabei einen aufklärerischen Standpunkt. Auslandseinsätze der Bundeswehr mit Auschwitz zu begründen, lehnt er ab. Die fehlende Kritik der deutschen Linken an Wladimir Putin und seiner Expansionspolitik ist ihm suspekt (Joachim Käppner, SZ 19.12.18).

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.