Peter Kümmel und Lars Weisbrod haben den größten deutschen Entertainer, Harald Schmidt, interviewt (Die Zeit, 29.11.18):
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Zeit: ‚Das Traumschiff‘ ist die einzige Sendung, bei der Sie im Fernsehen noch mitmachen. Allerdings verlassen Sie bei ‚Traumschiff‘-Dreharbeiten nie das Schiff. Warum nicht?
Schmidt: Es bringt nichts. Die meisten Länder sind zu voll. Ich habe mir irgendwann eingestanden: Es interessiert mich nicht, an Land zu gehen.
Zeit: Das klingt ein bisschen nach Albert Einstein, der im Zug saß und den Schaffner fragte: Hält Zürich auch an diesem Zug?
Schmidt: Einstein? In der ‚Zeit‘ können Sie mit solchen Bildungsanspielungen vielleicht noch kommen. Aber anderswo wird es eng. Im deutschen Fernsehen ginge das nicht mehr.
Zeit: Sie haben einmal gesagt, man könnte das Kreuzfahrtgewerbe in Richtung Sterbebegleitung ausbauen. Stichwort: schwimmendes Hospiz. Haben Sie sich selbst überlegt, aufs Schiff zu gehen und es nicht mehr zu verlassen?
Schmidt: Man weiß ja nicht vorher, ob es das letzte Mal ist. Es gibt viele, die sich auf dem Schiff bestens erholen – sie waren todkrank an Bord gegangen, und zum Abschied sagen sie: Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Aber es gibt auch die schwereren Fälle: Auf Kreuzfahrtschiffen trifft man lauter Leute, die der Arzt auf See geschickt hat, damit sie nicht seine Statistik belasten, wenn sie sterben.
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Zeit: Schreiben Sie Tagebuch?
Schmidt: Beim Tagebuchschreiben muss man aufpassen, dass man sich nicht zu ernst nimmt, sonst fängt man an zu sloterdijken.
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Zeit: Sie sind also kein Nachwelt-Künstler?
Schmidt: Was heißt Nachwelt-Künstler?
Zeit: Elias Canetti zum Beispiel. Er hat immer gesagt: Er will in hundert Jahren noch gelesen werden. Nur deshalb schrieb er.
Schmidt: Aber wer sagt Canetti jetzt, dass ihn heute keiner mehr liest? Ich lese ihn noch, weil Thomas Bernhard ihn gehasst hat. Und spätestens seit diesem ‚Buch gegen den Tod‘ ist es bei mir auch aus. Späte Ehe, junge Frau: Das ist ja das Tolle am Älterwerden: Viele Titanen bröseln einfach weg.
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