Georg Mascolo war von 2008 bis 2013 Chefredakteur des „Spiegels“. heute leitet er den Rechercheverbund von SZ, NDR und WDR. In der SZ (17./18.11.18) beschäftigt er sich mit gutem und schlechtem Journalismus. Ich fasse seine Argumente in 16 Punkten zusammen, aber es handelt sich um die Meinung von Georg Mascolo.
1. Journalisten haben sich in Deutschland auch angesichts wachsender Kritik nicht ausreichend mit den Leistungen des Journalismus befasst.
2. Eingedenk des Satzes „Good news is bad news.“ nimmt die Skandalisierung im Journalismus zu.
3. Verantwortungsbewusste Chefredakteure verlangen von ihren Mitarbeitern unbequeme Recherchen.
4. So wenig, wie es „die Medien“ gibt, existieren „die Politiker“, „die Wirtschaft“ oder „die Banker“.
5. Schlechter Journalismus wird verkörpert von der „Yellow Press“ („Regenbogenpresse“), die, wie Walter Nutz uns gezeigt hat, meistens ohne Rücksicht auf irgendwelche Tatsachen agiert und Geschichten häufig erfindet. Man kann immer über eine Schwangerschaft im britischen Königshaus spekulieren.
6. Politiker vom Schlage Donald Trumps bauen darauf, Journalisten als „Feinde des Volkes“ oder „die Lügenpresse“ zu diffamieren.
7. Guter Journalismus fungiert als ständiges Verbindungs- und Kontrollorgan zwischen dem Volk und seinen Politikern.
8. Solange die Rezipienten (die Menschen) genötigt sind, bei einem Konflikt immer beide Seiten zur Kenntnis zu nehmen, besteht Grund zur Hoffnung.
9. Qualitätsmedien erkennt man daran, dass sie ihr Publikum informieren und nicht missionieren wollen. Sie trennen Nachricht und Kommentar.
10. Journalisten dürfen nicht einfach Vorurteilen nachrennen: der Euro war nicht so stabil wie versprochen, die Liberalisierung der Finanzmärkte war ein Unglück, die Silvesternacht in Köln 2015 verlief nicht „weitgehend friedlich“.
11. Ein Medium wie das Fernsehen ist besonders gefährdet, schrillen Kandidaten wie Donald Trump auf den Leim zu gehen, der aus der Unterhaltungsbranche stammt.
12. Journalismus in Deutschland arbeitet ohne staatliche Aufsicht. Unterworfen ist er den Entscheidungen der Gerichte (insbesondere des Bundesverfassungsgerichts) und dem zwischen Verlegern und Journalisten 1973 ausgehandelten (und dann immer weiter entwickelten) Pressecodex.
13. Dort heißt es in Ziffer 3: „Veröffentlichte Nachrichten oder Behauptungen, insbesondere personenbezogener Art, die sich nachtäglich als falsch herausstellen, hat das Publikationsorgan, das sie gebracht hat, unverzüglich von sich aus in angemessener Weise richtigzustellen.“
14. Die deutschen Massenmedien müssen Korrekturspalten einsetzen.
15. Guter Journalismus kostet Geld. Das kann der Rezipient berücksichtigen.
16. „Merken Sie sich, wer Ihnen vorausgesagt hat, dass Trump auf keinen Fall Präsident wird, dass die Jamaika-Regierung kommt, aber der Brexit nicht. Oder dass Brinkaus keine Chance gegen Kauder hat.“