2138: Missbrauch in der katholischen Kirche

Unfassbar, bedrückend und deprimierend

sind die Erkenntnisse, die eine Studie über sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche durch Priester und Ordensleute in der deutschen katholischen Kirche präsentiert. Sie drücken uns zu Boden und führen dazu, dass wir kaum glauben können, dass es je zu einer umfassenden Aufklärung geschweige zu einer Verbesserung des Verhaltens kommen kann. Die katholische Kirche hat ein riesiges Problem mit der Aufarbeitung der Fakten. Ihre Glaubwürdigkeit leidet hier stärker als irgendwo sonst.

Zwischen 1946 und 1994 haben mindestens 1670 Priester und Ordensleute an mindestens 3677 Betroffenen sexualisierte Gewalttaten begangen. Die Opfer sind meist männlich, die Hälfte von ihnen zum Tatzeitpunkt jünger als 14 Jahre. In jedem sechsten Fall kam es zu einer Form von Vergewaltigung. Nur in jedem dritten Fall hatten die Bistümer zumindest ein kirchenrechtliches Verfahren eingeleitet. Von diesen 566 Verfahren endeten 154 ohne Strafe. Lediglich in 122 Fällen schaltete die Kirche die Justiz ein. In zwei Bistümern (von 27) gibt es explizit die Information, dass „Akten oder Aktenbestandteile mit Bezug auf sexuellen Missbrauch Minderjähriger in früherer Zeit vernichtet wurden“. Nur neun der 27 Bistümer bzw. Erzbistümer hatten ihre Akten seit 1946 untersuchen lassen. Die anderen öffneten ihre Bestände erst ab 2000. Zudem hatten die Forscher keinen direkten Zugriff auf die Aktenbestände. Sie wurden von Kirchenmitarbeitern durchsucht.

Die Bischofskonferenz hatte im März 2014 ein aus einer Professorin und sechs Professoren bestehendes Forschungskonsortium aus Mannheim, Heidelberg und Gießen mit der Aufklärung der Missbrauchsfälle beauftragt, nachdem sich die Bischöfe und der Kriminologe Christian Pfeiffer im Streit getrennt hatten. Pfeiffer warf den Bischöfen Eingriffe in seine Forschungsfreiheit vor. Er hatte auch verlangt, dass unabhängige Juristen alle kirchlichen Personalakten einsehen können.

Aus allem ergibt sich die Frage, ob „für die katholische Kirche spezifische Strukturen und Dynamiken einen sexuellen Missbrauch begünstigen“.

Der Missbrauchsbeauftragte der deutschen katholischen Bischofskonferenz, der Trierer Bischof Stephan Ackermann, nannte die Ergebnisse der Studie „bedrückend und beschämend“.

Dass sexualisierte Gewalt gegen Minderjährige ein Problem der katholischen Weltkirche ist, wurde dadurch deutlich, dass Papst Franziskus für den kommenden Februar die Vorsitzenden der nationalen Bischofskonferenzen zu einem Missbrauchsgipfel in den Vatikan eingeladen hat (Matthias Drobinski, SZ 13.9.18).

One Response to “2138: Missbrauch in der katholischen Kirche”

  1. ikkelahm sagt:

    Vielleicht war ja Luther doch nicht so blöd, als er Rom die Hure Babylon nannte. Daß er eine kluge Nonne heiratete und sogar Lustpraxis-Empfehlungen abgab, hat unzählige (evangelische) Gottesdiener vor den perversstrukturellen Versuchungen und Verfluchungen des römischen Zölibats bewahrt. Und damit Schwächere vor Übergriffen geschützt. Niemand soll sich über das ev. Pfarrhaus mit seinen sprichwörtlichen 12 Kindern lustig machen. Dass es auch in den ev. Kirchen Perverslinge gab, die sich an Konfirmanden und vor allem Konfirmandinnen vergriffen, ist beschämend und hat die Betroffenen tief erschüttert. Aber es hat zu tun mit der 68er Libertinage und der Bewegung Sex mit Erw.macht Kindern Spaß. Und ist Gott sei Dank ein Außenseiterphänomen.

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