2126: Bonn/Berlin ist nicht Weimar.

Es hallen wieder Unkenrufe durch’s Land. Deutschland werde „kippen“, der Staat „scheitern“, „Berlin wird Weimar“. Beschworen werden die „Gespenster von Weimar“. Das ist nicht gut begründet:

1. Die Weimarer Republik war von Anfang an zum Scheitern verurteilt, weil ihre Feinde außen, vor allem aber innen (Monarchisten, DNVP, Hugenberg-Konzern usw.) nur darauf hinarbeiteten.

2. Die Reparationen des Versailler Vertrags ließen keine positive Wirtschaftsentwicklung zu.

3. Die Kriegsschuld-Zuweisungen brachten die Gebietsverluste im Osten.

4. Mit über 30 Prozent Arbeitslosigkeit versetzte die Weltwirtschaftskrise der Demokratie nach 1930 den Todesstoß.

5. Die Weimarer Kabinette hielten im Durchschnitt acht Monate, Bonn/Berlin hat nur acht Kanzler in 70 Jahren.

6. Marshall-Plan, Freihandel und die Einbettung in EU und Nato brachten den Aufschwung in der alten Bundesrepublik.

7. 14 Millionen Flüchtlinge wurden integriert.

8. Die soziale Marktwirtschaft erleichterte das Wirtschaftswunder.

9. Die liberale Demokratie (mit Gewaltenteilung, unveräußerlichen Grundrechten und Parteien, die zur Mitte drängen) ist ein Erfolgsmodell.

10. 72 Prozent der Menschen sind mit der deutschen Demokratie sehr/ziemlich zufrieden.

(Josef Joffe, Die Zeit 13.9.18)

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