John McCain, der gerade gestorbene republikanische US-Senator, war ein konservativer Politiker. Und er war ein Mann des Westens. Über ihn schreibt in der SZ (28.8.18) einfühlsam und treffend der Vorsitzende der Münchener Sicherheitskonferenz, Wolfgang Ischinger (von 2001 bis 2006 Botschafter in den USA):
„John McCain verkörperte die Idee, dass die transatlantischen Beziehungen mehr sind als ein zufälliges Resultat der Geschichte, mehr als ein interessenbasiertes Bündnis, mehr als eine Verbindung auf Zeit. Sie waren für ihn der Kern einer liberalen Weltordnung, basierend auf der Überzeugung, dass Demokratie und Menschenrechte universelle Werte sind, für deren Bewahrung und Verbreitung wir Verantwortung tragen.“
„McCain warnte vor der zunehmenden Ablehnung universeller Werte und der Rückkehr zu völkischen Ideen, vor der Unfähigkeit und dem Unwillen, zwischen Tatsachen und Lügen zu unterscheiden, vor der Ablehung und dem Hass gegenüber Minderheiten, Immigranten, insbesondere Muslimen. Vor allem aber warnte er davor, die Idee des Westens aufzugeben.“
McCain war keineswegs mit den europäischen Außenpolitikern immer einer Meinung. Er kritisierte, dass sie nicht genug Geld für Verteidigung ausgäben und nicht genug für ihre eigene Sicherheit täten. Aber bei allen Widersprüchen und Meinungsverschiedenheiten war für McCain immer klar, dass Amerika und Europa auf einer Seite standen. In der US-Politik galt McCain als „Maverick“, als unabhängiger Kopf. So verhinderte er die von den Republikanern betriebene Abschaffung der Gesundheitsreform von Barack Obama, weil er der Meinung war, es müsse mehr überparteiliche Zusammenarbeit geben.
Als Präsidentschaftskandidat 2008 beharrte er darauf, dass unter seiner Führung von den USA niemals gefoltert würde. Er war selbst im Vietnamkrieg Pilot und als Gefangener von den Vietcong gefoltert worden.
Ich werde John McCain vermissen.