Der NSU-Prozess ist nach 437 Verhandlungstagen (in über fünf Jahren), der Vernehmung von mehr als 600 Zeugen und 263 Anträgen in München zu Ende gegangen. Strafrechtlich korrekt. Das Gericht hat sich nicht zu Fehlern verleiten lassen.
Trotzdem bleiben Fragen, wovon allerdings einige nicht vom Gericht zu beantworten waren. Wie wurden die Opfer ausgesucht? Wie viele Unterstützer in der rechtsextremen Szene hat es gegeben? Wie konnte es zu dem
Versagen der deutschen Verfassungsschutzbehörden
kommen? Etc.
Heribert Prantl fasst den Prozess treffend in dem Bertolt-Brecht-Satz zusammen: „Der Schoß ist fruchtbar noch, aus dem das kroch.“
„Aus dem Schoß, aus dem die Verbrechen des NS-Staats gekrochen sind, krochen 55 Jahre nach dessen Ende neuer Hass und neuer Mord. Das ist die Erkenntnis dieses Verfahrens. Die Täter waren keine Einzeltäter, sie waren Teil eines braunen Netzwerks, sie gehörten zu einem giftigen Milieu, in dem sie sich aufgehoben fühlen konnten. Bestraft wurden aber letztendlich nur eine Einzeltäterin und ein paar Gehilfen. Zwei der Mittäter haben sich umgebracht; das braune Netzwerk aber – es war und ist nicht angeklagt.“ (SZ 12.7.18)
Außenminister Heiko Maas (SPD): „Gegen rassistische Gewalt setzen wir nicht nur die Stärke des Rechts. Gegen Intoleranz und Hass braucht es die Kraft der Vielfalt unserer offenen Gesellschaften – überall auf der Welt. Das Leid, das die Täter angerichtet haben, ist durch nichts wieder gutzumachen. Die Opfer bleiben unvergessen.“
Edgar Franke (Opferbeauftragter der Bundesregierung): „Die menschenverachtende Gesinnung, die in den Taten zum Ausdruck kam, erfordert eine klare gesellschaftliche Reaktion als Zeichen der Solidarität mit den Opfern dieser zynischen Verbrechen.“
Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke): „Fragen nach einem möglichen Unterstützernetzwerk des NSU und der Mitverantwortung der Geheimdienste sind in diesem Prozess nicht oder nur sehr verengt thematisiert worden.“
Josef Schuster (Präsident des Zentralrats der Juden in Deutschland): „Das Umfeld des NSU liegt weiterhin im Dunkeln. Es ist höchste Aufmerksamkeit von Politik und Strafverfolgungsbehörden notwendig. Einen Schlussstrich unter das Kapitel NSU darf es nicht geben.“
Anetta Kahane (Amadeo Antonio Stiftung): „Die offengebliebenen Fragen schmerzen Betroffene und Angehörige. Das Versprechen der Bundeskanzlerin nach vollständiger Aufklärung wurde nicht eingelöst.“
Amnesty International: „Die Ermittlungsbehörden haben elf Jahre lang die rassistischen Tatmotive verkannt und durch eine teilweise offen rassistische Vorgehensweise eine rasche und umfassende Aufklärung des NSU-Komplexes verhindert.“