2054: Fritz Bauers 50. Todestag

Am 1. Juli 1968 wurde der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer tot in seiner Wohnung aufgefunden. Der 1903 in Stuttgart geborene Bauer war in der deutschen Justiz eine Ausnahmefigur von großer Durchsetzungskraft und starkem Willen. In der Justiz und in der Gesellschaft nach 1945 war er weithin verhasst. Er steht für die positive Neubewertung der Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944, die Entführung Adolf Eichmanns nach Israel 1960 und die Frankfurter Auschwitzprozesse 1963-1981.

Der Jude Fritz Bauer hat sich Zeit seines Lebens als Atheist begriffen. 1928 wurde er Gerichtsassessor in Stuttgart, 1930 Amtsrichter. 1920 trat er der SPD bei und übernahm 1931 den Vorsitz der Ortsgruppe Stuttgart des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold. 1933 saß Fritz Bauer acht Monate im KZ Heuberg. Er wurde von den Nazis aus dem Dienst entlassen. 1936 emigirierte er nach Dänemark. Die dänische Polizei kategorisierte ihn als Homosexuellen. 1943 floh Bauer vor den Nazis nach Schweden.

1949 kam Fritz Bauer nach Deutschland zurück. 1952 war er Ankläger im Remer-Prozess. Als hessischer Generalstaatsanwalt nahm er Kontakt zu israelischen Dienststellen und dem israelischen Geheimdienst auf, um darauf hinzuwirken, dass der in Argentinien versteckt lebende Adolf Eichmann nach Israel verbracht wurde, wo die Israelis ihm den Prozess machten. Fritz Bauer sorgte für den ersten Frankfurter Auschwitz-Prozess 1963-1965.

Fritz Bauer hat zahlreiche juristische und politische Fachbücher veröffentlicht, hauptsächlich zur Entstehung des deutschen Faschismus, zu den Naziverbrechen und zur Humanisierung der Justiz. In der deutschen Justiz nach 1945 wurde Bauer häufig hintergangen, ausgebootet und sabotiert. Er hatte Erfolg als Einzelner. Der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Andreas Voßkuhle, hat Fritz Bauer vor einigen Jahren „vorbildlich“ genannt. Ebenso Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD). An seinem Todestag, dem 1. Juli, hat nun Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier Fritz Bauer gewürdigt. „Es war Bauers Beispiel, sein Widerstand gegen ein Fortwirken des Personals und der Ideologie des NS-Regimes, das maßgeblich dazu beitrug, dass aus dieser Republik der demokratische Rechtsstaat wurde, der er heute ist.“ (Ronen Steinke, SZ 2.7.18)

Inzwischen pflegt und erforscht das 1995 in Frankfurt gegründete Fritz-Bauer-Institut (Geschichte und Wirkung des Holocaust) das Erbe des Juristen. Vielfältige, wissenschaftlich fundierte Veranstaltungen und Publikationen sorgen dafür, dass Fritz Bauer nicht vergessen wird. Sein Vorbild sollte jungen Juristen bekannt sein. Regelmäßig erscheint das Bulletin des Fritz-Bauer-Instituts „Einsicht“ (zuletzt Nr. 18 vom Herbst 2017).

 

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