Der ARD-Journalist Hajo Seppelt hat das russische Staatsdoping (bereits 2014) aufgedeckt. Seither gilt er in Russland als „unerwünschte Person“. Zunächst bekam er für die diesjährige Fußball-WM kein Visum. Nach politischen Protesten und Protesten von „Reporter ohne Grenzen“ dann doch. Aber nun fährt er nicht, weil die ARD und Seppelt selbst das als zu gefährlich ansehen. Karoline Meta Beisel hat ihn (SZ 15.6.18) dazu interviewt:
SZ: Wären Sie trotzdem gerne gefahren?
Seppelt: Ich habe lange mit mir gerungen: Was setzt das für ein Zeichen, wenn man sich von solchen Dingen womöglich einschüchtern lässt und hinnimmt, dass freie Berichterstattung so eingeschränkt werden kann? Aber das andere Argument überwiegt: Ich wäre ja als Mitarbeiter der ARD dorthin gefahren, und für den Sender steht natürlich die Sicherheit der ARD-Reporter an allererster Stelle. Deshalb kann ich die Entscheidung nicht nur nachvollziehen, sondern trage sie voll mit.
SZ: Hat die Fifa auf ihre Entscheidung schon reagiert?
Seppelt: Nein. Soweit ich weiß, hatten die sich vorher dafür eingesetzt, dass ich ein Visum bekomme und frei berichten kann. Aber wie kann man an ein solches Land überhaupt eine WM vergeben? Da stellen sich ganz viele Fragen, wie der Journalismus künftig mit dem organisierten Sport umgehen soll.
Der Sportjournalismus muss er kennen, dass er hochpolitisch ist.
Der Weltverband der Sportjournalisten hält sich zu der ganzen Geschichte übrigens auffällig bedeckt. Das spricht Bände.