1970: Ansichten über Karl Marx im Jahr 2018

Peter Altmaier, 59, CDU, Bundeswirtschaftsminister:

„Die Stärke und Bedeutung der Schriften von Karl Marx lagen in der Analyse der bestehenden Verhältnisse, die im 19. Jahrhundert für die Beschäftigten katastrophal waren. Der Versuch, seine Ideologie umzusetzen, hat Hunderte von Millionen Menschen ins Elend gestürzt. Die Soziale Marktwirtschaft überwindet Kapitalismus und Kommunismus gleichermaßen.“

Andrea Nahles, 47, SPD-Vorsitzende:

„Es lohnt sich auch heute, Marx genauer in den Blick zu nehmen. Denn es gibt eine ganze Reihe von ähnlichen Entwicklungen zwischen der sogenannten ersten industriellen Revolution, die Marx so beschäftigt hat, und der vierten industriellen Revolution, die uns heute so beschäftigt. Es geht also wieder darum, eine Entwicklung nicht nur hinzunehmen, sondern als menschengemacht zu begreifen und entsprechend auch als von Menschen gestaltbar zu verstehen. Es geht um Einhegung, Begrenzung und Regulierung des kapitalistischen Gewinnstrebens durch die Logik des Sozialen und Demokratischen. Es geht darum, den digitalen Kapitalismus in mehr Freiheit zu übersetzen.“

Katrin Göring-Eckardt, 52, Grünen-Fraktionschefin:

„Marx wollte gerade nicht die Herrschaft des einen über den anderen. Also auch die Herrschaft der Funktionäre über die Arbeiterklasse. Insofern passt der Marx, den ich aus Büchern kenne, nicht zu der Ikone, die mir in der DDR überall entgegengehalten wurde.“

Gregor Gysi, 70, Präsident der Europäischen Linken:

„Karl Marx ist für mich einer der größten und klügsten Denker, der außerdem schreiben konnte, und zwar mit Humor und Selbstironie, gelegentlich auch mit Sarkasmus. Nur um in seinem Sinne wirken zu können, war er bereit, sein Land – Deutschland – aufzugeben und in London zu arbeiten. Er muss zweimal befreit werden. Zum einen von seinem Missbrauch für politische Diktaturen im Staatssozialismus und zum anderen von seiner Ausweisung aus Deutschland. Wenn wir mit einem der größten Söhne Deutschlands einen unvoreingenommenen, sowohl kritischen als auch selbstkritischen Umgang pflegten, hätten wir alle einen Gewinn.“

(FAS 6.5.18)

 

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.