1907: Vertrauen in den Journalismus ?

Es ist wohl kein Zufall, dass „Die Welt“ (24.2.18) zwei Journalisten (Adrian Arab und Klaus Geiger) den Deutschland-Chef von „Reporter ohne Grenzen“, Christian Mihr, nach dem Vertrauen in den Journalismus in Deutschland befragen lässt.

Welt: … Der Medienwissenschaftler Michael Haller sagt in einer Studie, die Medien hätten zu unkritisch über Zuwanderung geschrieben.

Mihr: Es ist schon so, dass die Journalistenszene mehrheitlich eher linksliberal ausgerichtet ist, das hat zuletzt wieder die „Journalismus in Deutschland“-Studie offenbart. Die meisten Journalisten sind Akademiker und haben keinen Migrationshintergrund.

Welt: Schwindet also das Vertrauen, weil die meisten Journalisten eine ähnliche Denkweise haben?

Mihr: Der Beruf ist immer akademischer geworden. Viel zu viele Journalisten nehmen die Welt durch dieselbe Brille wahr. Die Vielfalt in den Redaktionen sollte die Vielfalt der Wirklichkeit abbilden. Alles andere führt zu einer eindimensionalen Wahrnehmung der Wirklichkeit. Wenn alle Journalisten ähnlich sozialisiert sind, ist das letztlich eine Gefahr für die ausgewogene Berichterstattung.

Welt: Seit der Flüchtlingskrise grassiert der Vorwurf der Fake News und der Lügenpresse …

Mihr: Ja, beides unsägliche Begriffe. Gemeint ist ein anhaltendes Misstrauen in den Journalismus. Aber die Zahl der Menschen, die den Medien misstrauen, ist nicht größer geworden. Sie liegt in unterschiedlichen Studien seit vielen Jahren zwischen 20 und 30 Prozent, mit Schwankungen von Jahr zu Jahr. … Es gibt keinen dramatischen Vertrauensschwund.

Welt: Die neun Landesrundfunkanstalten (W.S.: NDR, RBB, RB, MDR, WDR, HR, BR, SR, SWR) machen neun Fernsehangebote und 60 Hörfunkprogramme. Würde die Pressefreiheit eine Halbierung des Angebots verkraften?

Mihr: Ein starker öffentlicher Rundfunk ist wichtig, weil die Medienvielfalt eine wichtige Säule von Pressefreiheit ist. Je unterschiedlicher die Medien sind, desto vielfältiger sind die Sichtweisen. Insofern ist eine gesunde Balance von privaten und öffentlich-rechtlichen Medien wichtig.

 

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