Eine russische Troll-Fabrik hat mit tausenden Nutzerkonten bei Youtube, Twitter und Facebook versucht, Einfluss auf den US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 zu nehmen. Es wurden massenhaft gezielt Falschinformationen gestreut und der republikanische Kandidat Donald Trump unterstützt. Schlimm genug. Beängstigend.
Wie SZ, NDR und WDR herausbekommen haben, hat es das in kleinerem Stil auch beim Bundestagswahlkampf in Deutschland gegeben. Drei Wochen vor der Wahl begann auf dem Server „Reconquista Germania“ ein „Informationskrieg“ gegen das „System“. Bis zu 5000 Nutzer sollen auf dem Server registriert gewesen sein. Autoren, Politiker und andere Teilnehmer wurden gezielt beschimpft. Wahlkampfmanager der Parteien (CDU, SPD, Grüne, FDP, Linke) sahen sich gezwungen, die Kommentarfunktionen ihrer Youtube-Kanäle zu schließen oder Kommentare nur nach vorheriger Moderation freizuschalten. Eine zentrale Rolle spielte der Hashtag #nichtmeinekanzlerin.
Der Kopf von „Reconquista Germania“ ist ein anonymer Youtuber aus Bayern, der seit 2010 prorussische und antiamerikanische Videoansprachen verbreitet mit mehr als 30.000 Abonnenten (Lena Kampf, SZ 21.2.18; Jannis Brühl/Reymer Klüver, SZ 21.2.18).
Auf diesem Feld werden zunehmend die Wahlkämpfe der Zukunft geführt werden. Sie richten sich in erster Linie an politisch Ungebildete unter unseren Mitbürgern. Viele von uns werden sich an den Kämpfen nicht beteiligen (wollen). Unser Beitrag muss es sein, uns überall, wo es erforderlich erscheint, einzuschalten und unsere Meinung zu sagen. Unser „System“ hat es wahrlich verdient, verteidigt zu werden. Machen Sie mit.