1888: Polnisches Holocaust-Gesetz schürt Antisemitismus.

Es kann keine Frage sein, dass Auschwitz, Treblinka, Belzec, Maidanek, Sobibor im Zweiten Weltkrieg deutsche Vernichtungslager (Konzentrationslager) in Polen waren.

Es ist falsch und verwerflich, sie „polnische Todeslager“ zu nennen.

Das neue polnische Holocaust-Gesetz bedroht diejenigen mit Strafe, die „öffentlich der polnischen Nation oder dem polnischen Staat faktenwidrig die Verantwortung oder Mitverantwortung für Verbrechen zuschreiben, die durch das Dritte Deutsche Reich begangen wurden“.

Auf der Sicherheitskonferenz in München wollte der neue polnische

Ministerpräsident Mateusz Morawiecki

die Kritiker des Gesetzes, vor allem in Israel, beschwichtigen. Er gilt als „Weltmann“ und spricht fließend Englisch. Er sagte: „Nein, man muss keine Strafe fürchten, wenn man behauptet, dass es polnische Täter gab, so wie es jüdische Täter gab, so wie es russische Täter gab, so wie es ukrainische und nicht nur deutsche Täter gab.“ Viele Zuhörer verstanden das so, dass Morawiecki den Juden eine Mitschuld am Holocaust gegeben habe. Die Antwort des israelischen

Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu

ließ nicht lange auf sich warten: „Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen. Wir werden stets für die Wahrheit kämpfen.“

Dabei ist es eine historische Tatsache, dass viele Polen beim Judenmord halfen, Juden auslieferten und erpressten, ja sogar während und nach dem Holocaust selbst mordeten. So

1941 in Jedwabne und 1946 in Kielce (Josef Joffe, Die Zeit 8.2.18).

Zugleich haben sehr viele Polen das Risiko auf sich genommen, Juden zu verstecken und zu beschützen. In der israelischen Gedenkstätte Jad Vashem sind 6706 Polen als „Gerechte unter den Völkern“ verzeichnet.

In Polen hat das Holocaust-Gesetz eine antisemitische Welle ausgelöst. In Sprechchören hatten Demonstranten kürzlich von Präsident Andrzej Duda verlangt, er möge seine „Kippa abnehmen“ und das Gesetz unterschreiben.

Daniel Brössler schreibt dazu (SZ 19.2.18): „Morawiecki versinkt so immer tiefer im Morast einer ideologischen Geschichtspolitik, die Polen als Opfer einer internationalen Verschwörung hinstellt. In der durchsichtigen Absicht, die Stimmung im eigenen Lande innenpolitisch nutzbringend aufzuheizen, fügt der Regierungschef dem Ruf Polens  in der Welt unermesslichen Schaden zu.“

 

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