Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko-City schrieb der US-amerikanische Sprinter Tommie Smith Geschichte. Er gewann den 200 m-Lauf vor dem Australier Peter Norman und seinem Landsmann John Carlos. Bei der Siegerehrung reckte Smith mit gesenktem Kopf den rechten Arm mit einem schwarzen Handschuh hoch, Carlos den linken. Aus Protest gegen den Rassismus in den USA. Das Foto davon wurde zu einer
Ikone der Bürgerrechtsbewegung.
Unmittelbar danach wurden die beiden von den Spielen ausgeschlossen und konnten künftig nicht mehr für die USA starten. Smith war 24 Jahre alt und hatte mit 19,8 sec einen Weltrekord aufgestellt, der elf Jahre nicht verbessert wurde. IOC-Präsident Avery Brundage sagte, die Aktion sei „eine üble Demonstration gegen die amerikanische Flagge durch ‚Neger'“.
Smith und Carlos wurde zu Hause zum Ziel von Anfeindungen und erhielten Morddrohungen. Smith‘ Eltern arbeiteten auf einer Baumwollfarm in Texas. Sie wurden in Naturalien bezahlt, eine mildere Form der Sklaverei. Weiße und Schwarze gingen nicht auf die gleiche Schule. In Kalifornien, wohin die Familie zog, wo es schon integrierte Schulen gab, mussten schwarze Kinder zur Schule laufen, weiße benutzten den Bus.
Vor den Olympischen Spielen 1968 hatten schwarze US-Mannschaftsmitglieder erstmals einen Boykott erwogen, der in einer Abstimmung aber knapp abgeschmettert wurde. Smith beschloss, die Bühne Olympia zu nutzen. „Ich wusste nicht wie, aber es war klar, dass ich gewinnen musste, sonst hätte es keinen Sinn gehabt.“ Während die Sprinter das Siegerpodest verließen, buhte das Publikum. Smith wurde sogleich von einem US-Reporter interviewt, der fragte: „Tommie, bist du stolz ein Amerikaner zu sein?“ „Obwohl ich mein ganzes Leben lang gelernt hatte, im Gespräch mit einem Weißen den Blick zu senken, hob ich den Kopf, schaute dem weißen Reporter direkt in die Augen und sagte: ‚Ja, ich bin stolz, ein schwarzer Amerikaner zu sein.'“
Smith blieb Bürgerrechtler. Er arbeitete später als Football-Profi und Soziologielehrer an Colleges in Kalifornien, spezialisierte sich auf Sport und Gesundheit. Es vergingen sehr viele Jahre, ehe seine Leistungen auch in den USA gewürdigt wurden. Inzwischen ist er Mitglied der Hall of Fame des Leichtathletikverbands. Barack Obama hat ihn zweimal ins Weiße Haus eingeladen. Smith protestiert heute gegen
Polizeigewalt gegen Schwarze.
Dass Football-Spieler dagegen auf den Knien protestieren, findet er gut. Ebenso, dass sich die
Fußballer von Hertha BSC
damit solidarisiert haben. Hertha BSC-Manager Paul Keuter übergibt Tommie Smith am Sonntag in der Semperoper den Dresdner Friedenspreis für sein gesamtes bürgerrechtliches Engagement und seinen Einsatz für Gleichberechtigung. Der Mitinitiator des Friedenspreises und Nobelpreisträger Günter Blobel nennt Smiths Protest von 1968
„eine der beeindruckendsten Demonstrationen gegen Rassendiskriminierung. Die Geste ist geblieben, was sie damals war: mutig und stark.“ (Stefan Locke, FAZ 17.2.18)