Paula-Irene Villa (50) ist Professorin für Soziologie und Gender Studies an der LMU in München. Sie forscht u.a. zur „identitären Bewegung“. Susan Vahabzadeh hat sie für die SZ (12.2.18) vor allem anhand des Themas „sexuelle Gewalt“ dazu befragt, ob und wie weit Feminismus und rechte Ideologien miteinander vereinbar sind. Villa antwortet dazu u.a.:
„Viele Menschen haben die Wahrnehmung, Frauenverachtung und sexualisierte Gewalt wurden importiert durch ‚fremde‘ Männer, durch Flüchtlinge, durch ‚den arabischen Mann‘. Das ist ein ideologisches Muster, das sehr weit zurückreicht und jetzt einen Resonanzraum findet.“
„Wir wissen aus der eigenen Erfahrung sowie aus vielen Studien, dass die Angst von Frauen, in der Öffentlichkeit – in der Tram, auf der Straße, irgendwo – behelligt zu werden, nicht neu ist. Jede Frau weiß eigentlich: Lieber ein Taxi nehmen als auf den Bus warten, den Drink bewachen, nicht alleine unterwegs sein. Das ist keine Entwicklung der letzten Jahre. So sind wir alle aufgewachsen. Gewalt, sexuelle Übergriffe, das sind die Themen der frühen Frauenforschung in den Achtzigerjahren. Damals wurden deswegen
Frauenhäuser
eingerichtet. In meinem Studium waren
Frauenparkplätze und Vergewaltigung auf der Uni-Toilette
ein Thema.“
„Was auch belegt ist: die Anzeigebereitschaft ist wesentlich höher, wenn der Täter der Fremde war und niemand aus dem Umfeld.“
„Es gibt einen
rechten bis sehr rechten Feminismus,
dessen Reiz man nicht unterschätzen sollte. Da geht es auch noch um eine andere Form der Ich-Stärkung. So etwas wie Heimatliebe, Mutterstolz, Marmeladeeinkochen, die eigene Gemeinschaft durch die Abwertung anderer, die Konzentration auf die Familie – für manche ist genau das Feminismus. Die erste Frauenbewegung hatte ja auch solche Strömungen.“
„Dass Körper altern, uns Dinge widerfahren, die wir nicht kontrollieren können, das ist tabuisiert. Und das scheint auf in der Sehnsucht nach Familie und Neo-Biedermeier, im diffusen
Unbehagen an Globalisierung
und Geschwindigkeit. Und das hat nirgends mehr einen Ort außer am rechten Rand. Hier wird das Versprechen gemacht: Wir kümmern uns, wir sehen deine Bedürfnisse, mit uns brauchst du dich nicht der
Willkür des Marktes
auszusetzen, wir beschützen dich.“