Die Kreuzzüge (zwischen 1095 und 1291) werden heute manchmal noch als Argument gegen das Christentum verwendet. Hier und da auch von solchen, die als Atheisten Mitverantwortung für die „Shoah“ und den „Archipel Gulag“ tragen. Damit müssen wir leben. Die Kreuzzüge sind gewiss kein Ruhmesblatt für das christliche Abendland.
Nun beschreibt der britische Historiker und Byzantinist
Peter Frankopan in seinem Buch
Kriegspilger. Der erste Kreuzzug. Berlin (Rowohlt) 2017, 393 Seiten, 26,95 Euro,
den ersten Kreuzzug neu. Er sieht ihn als „Mutter des Gemetzels“. Frankopan verlässt sich nicht nur auf die Quellen der christlichen Westeuropäer, sondern wertet „östliche“ aus. Hauptsächlich die „Alexias“, die auf die Tochter des byzantinischen Kaisers Alexios, Anna Komnene, zurückgeht. Alexios hatte die christlichen Glaubensbrüder aus dem Westen zur Hilfe gerufen. Daraus wurden die Kreuzzüge. Im Gegensatz zu anderen Historikern scheut Frankopan „Spektakuläres“ nicht.
So berichtet er über den „Volkskreuzzug“, den ein nordfranzösischer Prediger angezettelt hatte. „Peter der Einsiedler“ war ein Hetzer übelster Sorte. Dieser schuhlose Schrat brachte einen zahlenmäßig beachtlichen Mob auf die Beine. Er zog damit nach Konstantinopel und bekämpfte die Türken. Diese besiegten ihn und verarbeiteten die gemahlenen Knochen der Aggressoren zu Mörtel und besserten ihre Mauern damit aus. Normannische Kreuzritter eroberten am 15. Juli 1099 Jerusalem. Sie wüteten dort fürchterlich. Es wird berichtet von „Haufen von Köpfen, Händen und Füßen, die sich in den Häusern und Straßen stapelten“. „Wenn ihr dabeigewesen wärt, so wären eure Füße bis zu den Knöcheln vom Blut der Erschlagenen befleckt worden.“ Das Königreich Jerusalem ging bereits 1187 wieder verloren.
Die verschiedenen Kreuzzüge führten zu mannigfachen Gräueln. Es wird berichtet von jüdischen Müttern, die vor der Ankunft der Christenhorden „ihren saugenden Kindern mit dem Messer die Gurgel abschnitten, denn sie wollten alle lieber von eigenen Händen als durch die Waffen der Unbeschnittenen fallen“. Die Christen waren nicht zimperlich. „Die kleinen Kinder hieben sie in Stücke oder steckten sie auf Holzspieße und brieten sie über dem Feuer, und gegenüber den Älteren wandten sie jede Art von Quälerei an.“ (Rudolf Neumaier, SZ 15.12.17)