1833: Wirtschaftsweise über die Konkurrenz zu China

Isabel Schnabel, 46, lehrt Finanzökonomie an der Universität Bonn. Seit 2014 ist sie Mitglied im Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung. Schnabel betont, dass Europa nur gemeinsam die wirtschaftlichen Herausforderungen der Zukunft bestehen kann. Michael Bauchmüller und Stefan Braun haben sie für die SZ (4.1.18) interviewt.

SZ: Viele klagen über eine Schere zwischen Arm und Reich, die sich immer weiter öffne. Teilen Sie diese Analyse?

Schnabel: Dieser Eindruck ist weit verbreitet. Wenn man sich die Daten genau anschaut, stellt man jedoch fest, dass das gar nicht stimmt.

SZ: Woran machen Sie das fest?

Schnabel: Seit 2005 ist die Ungleichheit der Einkommen weitgehend stabil – vor allem dank des boomenden Arbeitsmarkts. Und das trotz Finanzkrise und Zuwanderung. Das ist eine beachtliche Leistung.

SZ: Welche originär europäischen Aufgaben sehen Sie?

Schnabel: Zum Beispiel Klimaschutz, Flüchtlingsmigration, Terrorismusbekämpfung, innere Sicherheit. …

SZ: Läuft Europa im Duell mit China nicht die Zeit davon?

Schnabel: Europa muss sich anstrengen, um im Wettbewerb bestehen zu können. Gerade angesichts der Einschränkungen bürgerlicher Freiheiten ist aber nicht ausgemacht, dass China dauerhaft erfolgreich sein wird. Außerdem ist Europas vermeintliche Schwäche auch eine Stärke.

SZ: Was meinen Sie?

Schnabel: Die Heterogenität kann Europa robuster gegenüber Schocks machen. Wenn in China eine große Krise ausbräche, träfe es schnell ein riesiges Reich. Bei uns ist das nicht automatisch so.

Leave a Reply

You must be logged in to post a comment.