1. Der Kasseler Soziologe Heinz Bude nennt unsere Gesellschaft eine „Gesellschaft der Angst“. Für seinen Münchener Kollegen Armin Nassehi ist Vertrauen die existentielle Ressource dieser Gesellschaft.
2. Dabei geht es um Gefühle, die ohnehin unser Verhalten beherrschen, wobei wir in der Selbsteinschätzung unsere Vernunft (Ratio) überschätzen. Für die Beherrschung unserer Angst brauchen wir beides, unsere Überzeugungen und rationales Verhalten.
3. Gefühle sind manchmal nicht leicht fassbar: die Angst vor dem Klimawandel, die Angst vor einer Finanzkrise, die Angst vor Flüchtlingen.
4. Je konkreter eine Gefahr erscheint (als Furcht vor …), desto besser ist sie beherrschbar.
5. Die polizeiliche Kriminalstatistik (natürlich kann Angst kaum mit Statistik bekämpft werden) belegt seit Jahren keinen nennenswerten Anstieg der Kriminalität. Vor allem nicht bei der Gewaltkriminalität (Mord, Totschlag, Vergewaltigung, schwere Körperverletzung, leichte Körperverletzung etc.).
6. Aber auch Delikte wie Taschendiebstähle und Wohnungseinbrüche, die den Menschen viel näher sind, haben nicht erheblich zugenommen. Dabei bagatellisieren wir nicht das Unsicherheitsgefühl (Traumatisierung) bei Bestohlenen nach einem Einbruch, wo sie sich in der eigenen Wohnung nicht mehr sicher fühlen.
7. In der Wahrnehmung vieler Deutscher war die Kölner Silvesternacht das „Umschlagsereignis“ (Nassehi).
8. Die in Gruppen agierenden Täter aus anderen Kulturen verstehen das deutsche Strafrecht nicht (Geldstrafe, Bewährungsstrafe, Haft).
9. Als starkes Gefühl lähmt die Angst. Sie ist ansteckend.
10. Die Furcht selbst müssen wir am meisten fürchten (Franklin Delano Roosevelt). (Alexander Haneke, FAZ 30.12.17; Astrid Viciano, SZ 30./31.12.17)
Liebe Freunde, haben Sie 2018 keine Angst. Guten Rutsch!