1753: Strategien gegen das Dick-Werden und Dick-Sein

Dietrich Garlichs, 69, war von 2010 bis 2017 Geschäftsführer der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. In der SZ (10.11.17) gibt er Hinweise auf Strategien gegen das Dick-Werden und Dick-Sein:

Mehr als die Hälfte der Deutschen ist heute übergewichtig. Jeder vierte Deutsche erfüllt die Kriterien für eine krankhafte Fettleibigkeit (Adipositas). Das sind klare Risikofaktoren für viele ernsthafte Krankheiten: Diabetes, Herz-Kreislauf, viele Krebsarten. Mindestens drei Viertel der vorzeitigen Todesfälle sind inzwischen durch den Lebensstil verursacht. Das bedeutet persönliches Leid und hohe gesellschaftliche Kosten. Überernährung hat das alte Menschheitsproblem Hunger abgelöst.

Garlichs begründet, dass die Appelle an die individuelle Verantwortung hier bisher gar nichts gebracht haben. Außerdem gilt für Zucker und Fett nach wie vor der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von sieben Prozent. Der Bundeslandwirtschaftsminister hat eine

„Strategie zur Reduktion von Zucker, Fetten und Salz“

angekündigt. Mehr als 25 Gramm Zucker sind laut WHO problematisch. Grundlage für diese Empfehlung sind 9 000 Studien zum Zusammenhang von Zucker und Übergewicht. Für Deutschland hat eine Allianz von über 20 wissenschaftlichen Organisationen vier Maßnahmen identifiziert, die geeignet sind, die Adipositas-Welle zu stoppen.

1. eine nach Gesundheitsaspekten gestaffelte Mehrwertsteuer für Lebensmittel: Obst und Gemüse werden gering oder gar nicht besteuert, normale Lebensmittel mit sieben Prozent, Ungesundes mit 19 Prozent.

2. ein Verbot von an Kinder gerichtete Werbung für ungesunde Lebensmittel: Freiwillige Selbstverpflichtungen der Industrie haben sich hier als wirkungslos erwiesen.

3. verbindliche Standards für die Schulversorgung. 2007 hat die Deutsche Gesellschaft für Ernährung im Auftrag des Landwirtschaftsministeriums Qualitätsstandards für Schulernährung herausgegeben. Bis heute sind diese nur im Saarland und in Berlin verbindlich.

4. täglich mindestens eine Stunde Bewegung in Kita und Schule.

Ob das reicht ?

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