Die CSU, diese so erfolgreiche bayerische Partei, ist noch nie besonders rücksichtsvoll mit ihren Vorsitzenden umgegangen. Einziges Kriterium war der Erfolg. Blieb der aus, flog der Vorsitzende. Das haben Max Streibl, Edmund Stoiber und Erwin Huber erlebt. Und Horst Seehofer wird es wohl bald erwischen. Das nennt Stefan Braun „sich selbst ins Knie schießen“ (SZ 6.11.17). Allerdings stimmt dieses Mal das Timing nicht angesichts der Sondierungen in Berlin. Aber der Strippenzieher hinter den Kulissen, Finanzminister Markus Soeder, hat das wohl nicht in der Hand. Auf jeden Fall bliebe er auch bei einem Scheitern der Sondierungen unbeschädigt.
„Problematisch ist das bayerische Schauspiel nicht nur für die Christsozialen. Es trifft alle Parteien, die in Berlin Jamaika ausloten. Das ist nicht etwa deren Privatvergnügen. Es ist das Ergebnis einer Bundestagswahl, die Union, FDP und Grünen auferlegt hat, ernsthaft eine Koalition zu versuchen. Um so dringlicher wäre es für alle, dass selbstzerstörerische Scharmützel ausblieben. Man kann Wahlergebnisse beklagen, aber man muss sie ernst nehmen.“
„Ein bisschen Hoffnung machen da immerhin die Grünen. Ausgerechnet sie, die im Wahlkampf wenig Emotionen zeigten, treten in diesen Tagen leidenschaftlich konstruktiv auf. Offenbar haben sie die Bedeutung des Augenblicks verstanden.“