In seiner Rezension von Gerd Koenens „Die Farbe Rot. Ursprünge und Geschichte des Kommunismus.“. München (dtv) 2017, 1133 S., arbeitet der Berliner Ordinarius für Politikwissenschaft, Herfried Münkler, geb. 1951, heraus (FAZ 30.9.17), dass es
hauptsächlich zwei Gründe
gibt, warum der Kommunismus so unmenschlich und gewalttätig war (Gerd Koenen liest am 19. Oktober 2017 in Göttingen um 21.oo Uhr im Alten Rathaus aus seinem Buch.). Münkler will plausibel machen, „warum das, was als Verwirklichung von Menschlichkeit und Gerechtigkeit gedacht worden war, in der Realität zu einem Exzess von Unmenschlichkeit und tyrannischer Gewalt geraten ist“:
1. durch die Vorstellung vom
„Urkommunismus der Vorzeit“,
zu dem es zurückzukehren gälte. „Dass diese Rückkehr ins Paradies oder goldene Zeitalter auf eine Rücknahme von Individualität und persönlichzer Freiheit hinauslaufen musste, hat indes kaum einer besser gewusst als Karl Marx, dessen erbitterte Polemiken gegen fast alle seine sozialistischen Mitstreiter von Koenen als ein Kampf gegen die Gefahren eines ‚rohen Kommunismus‘ dechiffriert werden.“
2. durch den Widerspruch zwischen der Annahme, bei dem Weg zu Sozialismus und Kommunismus handle es sich um einen
notwendigen durch Geschichtsgesetze determinierten Prozess,
und den Eruptionen des Voluntativen, die das, was doch eigentlich zwangsläufig eintreten sollte, in einem revolutionären Kraftakt hier und jetzt in Gang setzen wollten.
Lenin
ist der Inbegriff dieses Widerspruchs, … Mit dem Voluntativen aber kam die Gewalt ins Spiel, durch die das Widerständige aus dem Weg geräumt werden sollte; zu welchen Mordorgien das geführt hat, stellt Koenen am
Beispiel Stalins
dar.“