1704: Deutschsein und Weltoffenheit sind keine Gegensätze.

1. Für selbstverständlich halte ich es, dass in Deutschland deutsch gesprochen wird. Aber wir müssen uns nicht vor Aushilfskellnern in Berlin fürchten, die noch keinen Deutschkurs absolviert haben (Jens Spahn, CDU, Die Zeit 24.8.17)). Auf den Müllhaufen der Geschichte (Robert Habeck, Grüne, Die Zeit 31.8.17) gehört das Deutsche noch nicht.

2. Für selbstverständlich halte ich es, dass es „eine spezifisch deutsche Kultur“ gibt, dass sie auch „jenseits der Sprache“ zu identifizieren ist. Was die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, die Hamburgerin Aydan Özoguz (SPD), nicht glaubt. Thea Dorn (bei Anne Will) fing gleich an mit Anna-Amalia-Bibliothek, Oktoberfest usw. Vielleicht gehören auch Würstchen mit Kartoffelsalat dazu (Jens Jessen, Die Zeit 7.9.17). Die spezifisch deutsche Kultur kennen bei weitem nicht alle. Und die Beweislast dafür können gerade nicht die Ungebildeten, Abgehängten und Migranten tragen. Das müssen wir selber tun.

3. Dieter Borchmeyer hat in seinem Buch „Was ist deutsch?“ von 2017 umfassend gezeigt, dass es viele gute Wege dahin gibt. Es ist aber nicht leicht, die Frage zu beantworten (vgl. hier Nr. 1535).

4. In meinem Buch „Deutsche Diskurse“ (2009) habe ich herausgefunden, dass Deutschsein und Weltoffenheit keine Gegensätze sind (S. 182-194).

5. Dass wir über die Menschenrechte, unsere Rechtsstaatlichkeit etc. mit so vielen Nicht-Deutschen auf der Welt (insbesondere im Westen) verbunden sind, halte ich für ein Glück.

6. Thomas de Maizières (CDU) Anknüpfen an den Begriff der „Leitkultur“ begrüße ich. Winfried Kretschmann (Grüne) hält ihn für „verbrannt“ (vgl. 1557). SPD, Grüne und Linke wollen keine „deutsche Leitkultur“.

7. Sehr klar hat die weltberühmte französische Dramatikerin Yasmina Reza ausgesprochen (vgl. 1476), dass ihr die Sehnsucht nach einer nationalen Identität absurd erscheint. „Ich habe mich auch nie darum bemüht, irgendwo dazuzugehören.“ Ich, W.S., schon!

8. Wir dürfen unsere nationalen Belange auch über unsere Sprache hinaus niemals Nationalisten, Rechtsextremen und Rassisten überlassen, die neuerdings wieder den deutschen Soldaten des Zweiten Weltkriegs feiern.

Bertolt Brecht schrieb 1945 in seiner „Kinderhymne“:

„Anmut sparet nicht noch Mühe,/ Leidenschaft nicht noch Verstand,/ Dass ein gutes Deutschland blühe/ Wie ein anderes gutes Land.

Dass die Völker nicht erbleichen/ Wie vor einer Räuberin,/ Sondern ihre Hände reichen/ Uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter/ Andern Völkern wolln wir sein/ Von der See bis zu den Alpen/ Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dieses Land verbessern,/ Lieben und beschirmen wir’s/ Und das liebste mag’s uns scheinen/ So wie andern Völkern ihrs.“

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