1. Wenn schon der Zustand der Konservativen nicht gerade berückend ist, so sind sie, auch weltweit, sehr vielfältig. Vertreter des Großkapitals und „Christliche Fundamentalisten“ gehören genau so dazu wie „Lebensschützer“ und Anhänger des „Homeschooling“.
2. In seiner frühen Phase wollte Thomas Mann (1875-1955) „Deutschland deutsch erhalten, weiter nichts“. Mit dem französischen Philosophen Joseph de Maistre (1753-1821) etwa hatte er sich weiter nicht beschäftigt.
3. Die Koordinaten ihres Denkens haben sich bei den Konservativen in den letzten 200 Jahren stark verschoben. Es gibt unter ihnen Verächter und Anbeter des Staates.
4. Vor zehn Jahren bestimmte Udo di Fabio, ein ehemaliger Richter am Bundesverfassungsgericht, Konservatismus als Plädoyer für ein Bekenntnis zur Aufklärung.
5. Ihren größten Fehler begingen die Konservativen, als sie 1933 den Nazis zur Macht verhalfen. Diese hatten die absolute Mehrheit im Reichstag verfehlt und brauchten die Deutsch-Nationale Volkspartei. Protagonisten wie Alfred Hugenberg (1865-1951) und Hjalmar Schacht ((1877-1970) traten in die Regierung Hitler ein. Auch der Zentrumsvertreter Franz von Papen (1879-1969) war dabei.
6. Nach 1945 gebärdete sich der Konservatismus rheinisch-katholisch, demokratisch und westorientiert (ein großes Verdienst Konrad Adenauers, 1876-1967).
7. Die CDU/CSU von heute war lange vor Angela Merkel „sozialdemokratisiert“ (denken wir an Hans Katzer und Norbert Blüm). Dadurch konnte eine „Modernisierung“ (Energiewende, Atomausstieg etc.) bewerkstelligt werden, welche die Konservativen allein nie hinbekommen hätten (Volker Weiß, Die Zeit 17.8.17).
8. Im Zeitalter der Globalisierung, von dem Deutschland profitiert, ist ein Denken in Kategorien der „nationalen Widergeburt“ nur noch in den Köpfen von bornierten Rückständigen vorhanden.