1. Als die Linken-Abgeordnete Halina Wawzyniak (44) behauptete, die SED sei nicht etwa links, sondern im Gegenteil rechts gewesen, da wollte sie vor allem für sich und für die Linke den Begriff links retten. „Im Kern war die SED eine rechte Partei, autoritär, nationenbezogen, ausgrenzend von allem, was nicht ’normal‘ war.“ In der Tat, das war die SED, aber nicht als rechte, sondern als linke Partei (Constanze von Bullion, SZ 16.8.17).
2. Matthias Drobinski (SZ 17.8.17) schreibt zu Recht: „Die DDR, in der diese SED herrschte, war ein ausländerfeindlicher Spießerstaat, der den Angepassten liebte und den Freigeist fürchtete.“
3. Manche meinen heute ohnehin, dass man rechts und links nicht mehr unterscheiden könne. Das tun vor allem Wahlkämpfer, die auf der anderen Seite Stimmen abschöpfen möchten. Der erste, bei dem mir das aufgefallen war, war Heiner Geisler (CDU).
4. Rechts und links kann man aber auch heute noch durchaus unterscheiden, auch wenn diese Unterscheidungen in einer Zeit der Globalisierung und Beschleunigung nicht mehr so einfach sind.
5. Rechts ist,
wer für Freiheit steht, für das Individuum, für eine starke Polizei, wer an Begabung, Leistung, Ordnung glaubt, kapitalistisch denkt, das Eigene schätzt (Sprache, Sitten und Gebräuche), Gewalt zur Selbstverteidigung befürwortet, sich als Patriot empfindet, für den Rechtsstaat eintritt.
Links ist,
wer für soziale Gleichheit (gegen Privilegien) ist, eher antikapitalistisch denkt, Umverteilung (durch Steuern) befürwortet, gegen Reiche eintritt, universalistisch, nicht national denkt in Kategorien der Menschenrechte, gegen Religionen und Kirchen ist, pazifistisch denkt, an den Menschheitsfortschritt und eine bessere Welt glaubt.
6. In ihren Extremen haben Rechte wie Linke
totalitäre Diktaturen gebildet,
in denen Massenmord geübt wurde (Holocaust und Archipel Gulag, die nicht gleich waren, aber Massenmorde),
und die von einer Ideologie wie in religiöser Aufladung geprägt waren.
7. Trotzdem gibt es manchmal Probleme, rechts und links voneinander zu unterscheiden. Dann nämlich, wenn Linke sich für unsere Sprache einsetzen, was es durchaus gibt, und damit eine rechte Tugend üben. Dann, wenn Linke ihre Kinder auf Eliteschulen schicken, dann wenn Feministinnen gegen religiöse Pluralität polemisieren. Etc.
8. Eine Demokratie braucht die Unterscheidung zwischen links und rechts.
9. Es kommt natürlich vor, dass Rechte wie Linke ihren eigenen Maßstäben nicht gerecht werden.
10. Die SED war eine linke, autoritäre, ausgrenzende, auf Gewalt gegründete, fremdenfeindliche Spießerpartei im deutschen Gewande.