1646: Schloss und Humboldt-Forum: falsches Konzept ?

Das Berliner Schloss und das Humboldt-Forum sollen das neue Deutschland repräsentieren. Das Humboldt-Forum als inspirierendes kulturelles Zentrum. Ist das Konzept falsch? Inzwischen ist die international renommierte Kunsthistorikerin Bénédicte Savoy (TU Berlin und Collège de France), 45, aus dem Expertenbeirat zurückgetreten. Jörg Häntzschel hat sie für die SZ (21.7.17) interviewt.

Savoy: Es fängt bei der Rekonstruktion des Schlosses an: Die Architektur signalisiert,

dass man Geschichte rückgängig machen kann.

Doch den Leuten, die um Rückgabe gestohlener Objekte bitten, erklärt man, Geschichte lasse sich nicht rückgängig machen. Das ist ein unlösbarer Widerspruch, mit dem sich das Humboldt-Forum ewig plagen wird. …

SZ: In den letzten Jahren hat sich in Deutschland einiges getan. Was bedeutet das für das Projekt?

Savoy: Es kommt zur falschen Zeit. Deutschland definiert sich als internationales, offenes Land neu. Es unternimmt riesige Anstrengungen, um Leute aus Krisen- und Kriegsgebieten aufzunehmen. In diesem Moment so ein Museum an diesem Ort zu machen, das geht nicht. Es wäre besser gewesen, man hätte die Objekte in Dahlem gelassen, sie dort so präpariert, dass sie der Internationalisierung Deutschlands und der Kolonialismusdebatte hätte standhalten können. … Dann hätte man Zeit gehabt, sich über die Lage klar zu werden. Ich habe Studenten, die in Damaskus aufgewachsen sind. Das ist unsere Realität. Das ist längst angekommen, nur nicht dort oben.

SZ: Was sagen ihre Studenten?

Sayoy: Sie sagen: das Schloss ist ein Fake, aber die Objekte darin sollen Originale sein. Warum produziert man nicht perfekte Kopien dieser Objekte und schreibt dazu: Das Original besaßen wir 120 Jahre lang, jetzt haben wir es an Kamerun zurückgegeben. Ein Fake-Museum in einem Fake-Schloss, das würde Sinn machen.

 

 

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