Mittlerweile habe ich mit einigen gesprochen, die schon auf der Documenta waren. Die meisten von ihnen wirkten verunsichert. Das kam mir bekannt vor; denn genau so habe ich es bisher bei allen Documenten seit 1968 erlebt. Ist das vielleicht Absicht?
Kia Vahland (SZ 11.7.17) kritisiert die Macher um Kurator Adam Szymczyk scharf. Sie gäben sich zwar selbstsicher mit ihrem Satz
„Wir hoffen, dass die Documenta 14 einer von vielen Schritten sein wird auf dem Weg in eine Welt, in der wir leben wollen.“
Aber sie bezögen sich nicht in die allfällige Kritik an der Welt ein. Und auf den Führungen würde nichts erklärt, sondern der Besucher nach seiner Meinung gefragt. Scheindemokratisch. Denn ohne Hintergrundinformationen sei es schwierig, sich ad hoc eine fundierte Meinung zu bilden.
„Man kann auch durch Nichtinformation manipulieren. Wer alle Autoritäten abschafft, inszeniert sich selbst als letzte Instanz. So funktionierte die antiautoritäre Erziehung der Siebzigerjahre. Vom Hausmeister über die Lehrerin bis zum Pfarrer und der Polizistin standen Funktionsträger im Verdacht, Kinder zu dressieren. Übrig blieben als einzige Orientierungsgrößen nur die antiautoritären Erzieher, deren Weltbild nun konkurrenzlos datstand.“
„Die samische Künstlerin Máret Anne Sara protestiert in der alten Hauptpost von Kassel mit einem Vorhang ausgekochter Rentierschädel gegen die Weisung der norwegischen Regierung, ganze Herden zu schlachten. Womöglich ist den Samen großes Unrecht geschehen, als sie die für sie so wichtigen Rentiere verloren – nur würde man, um sich selbst ein Urteil zu bilden, gerne auch die Begründung der norwegischen Regierung kennen.“