Gerd Koenen, geb. 1944, war bis 1982 führendes Mitglied des KBWs. Sein Leben danach hat er dem Studium des Kommunismus gewidmet und einige Bestseller geschrieben wie
„Utopie der Säuberung“,
„Das rote Jahrzehnt“ und
„Vesper, Ensslin, Baader“.
Er gehört nicht zu den flotten Sprüchemachern, sondern ist ein seriöser Historiker. Einerseits erkennt er manche Defizite im Kapitalismus, andererseits ist er illusionslos im Hinblick auf gesellschaftliche Alternativen, weil er sie zu genau studiert hat. Das zeigt ein Interview Koenens mit Anna Dreher und Tahier Chaudry (SZ 8./9.7.17).
SZ: Wäre es nicht Zeit für eine neue Befreiungsbewegung?
Koenen: Befreiung wovon? Dass man die Dinge zum Besseren wenden könnte, wenn man diese und jene ‚Ausbeuterklassen‘ in einer Revolution wegfegt, war eine magische Vorstellung, die sich von der Französischen bis zur Russischen Revolution von 1917 fortgesponnen hat. Tatsächlich war das ein Marsch ins Nichts, bei dem immer neue Gruppen von ‚Feinden‘, von Überflüssigen oder Widerständigen sozial oder physisch vernichtet wurden. Das Ergebnis war schlimmer, als jede Alternative es hätte sein können.