Auf dieses Buch habe ich lange gewartet. Es war fällig. Nun ist es da:
Manfred Quiring: Putins russische Welt. Wie der Kreml Europa spaltet. Berlin (Christoph Links) 2017, 264 Seiten, 18 Euro.
Der langjährige, sehr erfahrene Moskau-Korresponent der „Welt“ und Russland-Kenner Manfred Quiring beschäftigt sich mit dem „schon an Starrsinn grenzenden Unwillen, das in Russland herrschende Regime realistisch zu betrachten“. Er betrachtet die Quellen von Putins Macht und seine Ziele. Das Bild, das so entsteht, ist hässlich. Es zeigt Putin als Herrscher eines
Geheimdienststaats.
Dekonstruiert wird der Mythos von Russland als Opfer westlicher Expansion. Tatsächlich hat Russland die Krim annektiert, es unterstützt in der Ukraine mit russischen Waffen ausgerüstete Separatisten. Völkerrechtswidrig!
Zentral ist dabei die Antwort auf die Frage, ob es das Versprechen westlicher Politiker gegeben hat, dass die NATO nicht über die Oder-Neiß-Linie hinaus nach Osten ausgedehnt werde. Überzeugend legt Quiring dar, wie widersinnig die Vorstellung ist, Gorbatschow habe sich 1990 in den Verhandlungen zur deutschen Einheit Garantien gegen die Aufnahme osteuropäischer Staaten in die NATO geben lassen. Das wäre seinerzeit, als die Sowjetunion und der Warschauer Pakt noch existierten, widersinnig und unmöglich gewesen.
Den angeblichen Wortbruch hat es nie gegeben.
Ansonsten hätten die Osteuropäer de facto nie die freie Wahl gehabt, zu welchem Bündnis sie gehören wollten. Das waren
- die Esten,
- die Letten,
- die Litauer,
- die Polen,
- die Tschechen.
- die Slowaken,
- die Ungarn,
- die Rumänen,
- die Bulgaren.
Um deren Freiheit geht es nämlich. In Russland ist Putin der Zerstörer der Demokratie im eigenen Land, der mit den Mitteln der Angst nach innen und außen den Plan verfolgt, Russlands imperiale Macht wiederherzustellen (Daniel Brössler, SZ 12.6.17).
Wir können uns an der
russischen Musik
und an der
russischen Literatur
erfreuen. Das russische politische System war seit eh und je gänzlich und ständig hinterwäldlerisch, diktatorisch, repressiv, weithin mörderisch und nationalistisch borniert: das gilt für die Zeit des zaristischen weißen Terrors bis 1917, des stalinistischen Archipel Gulag (1924-1956), die „Stagnationsphase“ unter Breschnew, und es gilt heute im System Putin (abgesehen von der Jelzinschen Wodka-Phase).