1534: Der deutsche Handelsüberschuss

Wenn gesagt wird, Deutschland sei Exportweltmeister, dann ist das meistens positiv gemeint. Verbunden damit ist aber unser Handelsüberschuss von 8,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Nach Meinung der EU-Kommission gefährdet schon ein Überschuss von 6 Prozent die gesamtwirtschaftliche Stabilität, weil auf der anderen Seite von Überschüssen immer auch Defizite stehen müssen.

Nun hat der französische Präsidentschaftskandidat Emmanuel Macron, der Deutschland in jeder Hinsicht gewogen ist, behauptet, dass unsere wirtschaftliche Stärke in der jetzigen Ausprägung nicht tragbar sei. Es bedürfe eines „Ausgleichs“. Das ist leichter gesagt als getan. Deutschland erwirtschaftet gegenüber Frankreich seit langem Exportüberschüsse. 2016 waren es 35 Milliarden Euro. Deutsche Güter und Dienstleistungen sind im Ausland gefragt. Aber die entscheidende Ursache für unsere Überschüsse liegt woanders.

„Die Deutschen investieren im Verhältnis zu wenig im Inland. Das zeigt im übrigen, dass die Exportüberschüsse auch aus deutscher Sicht nicht nur positiv sind. Die Kritiker Deutschlands auf der anderen Seite tun so, als müsse die Bundesregierung nur ihre Politik ändern und alles würde besser werden. Natürlich ist das nicht der Fall. Da hinter dem Aufbau der Überschüsse kein Masterplan stand, können sie auch nicht nach Plan oder per Dekret abgebaut werden. Vieles läuft bereits in die richtige Richtung: Die Bürger konsumieren mehr, die Löhne steigen tendenziell schneller als die Produktivität; damit werden die Kostenvorteile, die Deutschland vor der Finanzkrise dank einer zurückhaltenden Lohnpolitik errungen hat, langsam wieder abgebaut. …

Es ist fast tragisch. Der Euro sollte einmal Deutschland noch fester einbinden, den Verzicht auf die DM sahen viele als Geschenk und als Zeichen der Treue zum europäischen Projekt. Jetzt zeigt sich, dass kein Land so vom Euro profitiert hat wie Deutschland. Die alte deutsche Frage – Ist die Nation in der Mitte zu mächtig für Europa? – kehrt durch die Hintertür zurück.“ (Nikolaus Piper, SZ 20.4.17)

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