1515: Der Holocaust als sozialpolitisches Projekt

Wieder einmal eckt Götz Aly mit der zentralen These seines neuen Buchs

Europa gegen die Juden 1880-1945. S. Fischer, 432 S., 26 Euro,

an. Nicht zum ersten Mal. Er stellt auf gesellschaftspolitische Gegebenheiten, auf Zahlen ab. Und kann damit belegen, dass die Verstrickung der Deutschen viel tiefer war, als durch die KZ-Mörder erkennbar ist. Viele haben vom Raub an den Juden persönlich profitiert. Und wollen es heute noch nicht wahrhaben.

Patrick Bahners verteidigt Aly. Er schreibt (FAS 19.3.17): „Nationale Gleichmacherei war ein sozialpolitisches Projekt: So erklärt uns Götz Aly jetzt den Holocaust. Wir erleben die Wiederkehr eines Nationalismus der sozialen Parolen. Wieder wird vor dem Arbeitsplatzklau durch die Flüchtlinge gewarnt. Vor diesem Hintergrund schreibt Aly, dass die besten politischen Ideen der Neuzeit zum Judenhass beigetragen hätten: Demokratie, Selbstbestimmung, soziale Gleichheit. Die Rezension seines Buchs in der ‚SZ‘ endet mit dem Satz: ‚Seiner abschließenden Überlegung, dass der zivilisatorische Fortschritt den Zivilisationsbruch begünstige, muss man nicht folgen.‘ Nein, muss man nicht. Man kann auch mit geschlossenen Augen durchs Leben gehen.“

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