1503: David Grossman spricht Angela Merkel seine Hochachtung aus.

Der 1954 geborene israelische Schriftsteller David Grossman gehört zu den anerkannten Autoren der Weltliteratur. 2009 erschien sein Roman „Eine Frau flieht vor einer Nachricht“ über eine Frau, welche die Nachricht vom Tod ihres Sohns vermeidet, der in der israelischen Armee dient. Während der Roman entstand, fiel Grossmans Sohn Uri als Panzersoldat im Libanonkrieg. 2010 erhielt David Grossman den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für seinen Einsatz im israelisch-palästinensichen Dialog.

Grossman nimmt sich die „One-Man-Show“ Donald Trumps in den letzten Monaten vor und nach seiner Wahl vor (Die Zeit 9.3.17). Seine Verurteilung Trumps ist schärfer als die vieler anderer. Grossman fragt sich, was Literatur gegen den Abbau von Demokratie und  Menschenrechten leisten kann.

1. In Aischylos Drama „Agamemnon“ hat Grossman den Satz der satanisch manipulativen Frau des Agamemnon, Klytämnestra, gefunden: „Vieles habe ich gesagt, wie es der Augenblick gebot. Jetzt aber behaupte ich ohne Scham das Gegenteil.“

2. Grossman zitiert aus dem Alten Testament den Propheten Jesaja: „Weh, die da heißen Böses gut und Gutes bös, aus Dunkel machen Licht und Licht zu Dunkel, aus bitter machen süß und süß zu bitter“ (Jesaja 5,20).

3. „Was vermag die Literatur in einer solchen  Welt zu leisten? Sehr wenig und sehr viel. Wenig, weil Machthaber wie Trump und seinesgleichen – Wladimir Putin in Russland, Recep Tayip Erdogan in der Türkei und der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu – fähig sind, mit einem einzigen Befehl (…) oder sogar mit einem einzigen provokativ-zynisch-manipulativen Tweet die Realität von Millionen von Menschen auf den Kopf zu stellen und die Welt noch chaotischer und unberechnbarer zu machen.“

4. Für Grossman vermag Literatur sehr viel durch den Geist, der aus ihr hervorgeht. „In einer Welt der Images, in der die Verbindung zum Wesentlichen, zum unveränderlichen Eigentlichen, zur zuverlässigen Gewissheit fast ganz verloren gegangen ist, bringt eine gute Geschichte uns wieder mit einer nicht zu erschütternden Wahrheit in Berührung: mit einem fast physischem Wissen um das, was gut und was böse ist. Was rein und klar, was korrupt und trübe, was hell und was dunkel ist.“

5. David Grossman bringt als Beispiele für aufklärerische Literatur Thomas Manns (1875-1956) „Mario und der Zauberer“, Franz Kafkas (1883-1924) „Das Urteil“ und „Das Schloss“ und Elias Canettis (1905-1994) „Die Blendung“. Darin findet statt die Auseinandersetzung der Autoren mit dem Faschismus, mit der Vermassung und mit der unmerklich sich durchsetzenden Diktatur.

6. „Das bringt mich zu einer weiteren Dimension der Literatur, von der ich mir wünsche, politische Führer möchten sie sich aneignen: zu ihrer Perspektive. Literatur setzt stets beim Blickwinkel eines Einzelnen an und spricht zum Einzelnen.“

7. „Denken wir nur an die Reaktionen vieler europäischer Staaten auf die Flüchtlingswelle im Herbst 2015. Denken wir daran …, welch einen außerordentlichen, beeindruckenden Weg Bundeskanzlerin Angela Merkel beschritten hat. Wie menschlich und großherzig war ihre Handlungsweise, für die sie einen hohen politischen Presi zu zahlen hat! Ich als Angehöriger eines Volkes von Flüchtlingen, Sohn eines Vaters und Enkel einer Großmutter, die aus Europa fliehen mussten, ich spreche Angela Merkel meine Hochachtung aus.“

 

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